»Das ist mir unlieb zu hören,« warf sie frostig hin. »Aber darüber schulde ich Ihnen keine Rechenschaft.«

»Gewiß nicht,« lenkte der Russe betreten ab und schüttelte den Kopf.

»Im übrigen gebe ich Ihnen, wenn auch ungern, das verlangte Ehrenwort. Ich werde also den Verkehr mit der Außenwelt vermeiden,« hob sie deutlich hervor, um ihrem Gegenüber zu zeigen, daß sie seine Absicht verstanden hätte. Dann aber wurde sie unruhig, und die Finger ihrer Rechten irrten tastend auf ihrem Gewand herum. »Verzeihen Sie noch eine Frage, Herr Oberst,« rang sie sich endlich ab, »das Gefährt, das meine Schwester Isa gestern abend auf das benachbarte Gut Sorquitten bringen sollte, ist nicht zurückgekehrt. Wäre es Ihnen vielleicht möglich, eine Erkundigung nach dem Verbleib unserer Jüngsten einzuziehen?«

Der Fürst blinzelte ein wenig und maß die Gutsherrin, die ihm in ihrer Sorge weiblicher als bisher erschien, von den Blondhaaren bis zu den Füßen.

»Sie sehen mich so an,« stotterte Johanna immer verwirrter, und eine Ahnung stieg ihr auf, in ihrer Frage könnte für den Russen etwas Verdächtiges enthalten sein. »Sehen Sie,« suchte sie sich zu entlasten, »es handelt sich um ein ganz junges, unerfahrenes Ding. Ich vertrete Mutterstelle bei ihr.«

Der Fürst wiegte noch immer bedenklich das Haupt, und seine Augen gruben sich unausgesetzt und prüfend in die des großen Mädchens. Endlich sagte er vorsichtig:

»Ich bin in der Tat in der Lage, Ihnen, auch ohne Erkundigung, eine Angabe über den Verbleib des Fräuleins zu machen, denn ich habe die junge Dame selbst gesehen.«

»Sie? Um Gottes willen, Durchlaucht, wo? Ist sie gesund? Ihr ist doch nichts Schlimmes widerfahren?«

Jetzt schien der schlanke Offizier mit sich einig zu sein. Er bettete die Hände leicht auf den Rücken und schritt hinter dem Tisch auf und ab. Leise klirrend begleiteten die Sporen seinen federnden Gang.

»Verehrtes Fräulein,« meinte er, – aber Johanna war es doch, als ob er jedes seiner Worte besonders prüfe und wäge – »Sie brauchen sich über die Lage Ihrer Jüngsten, soweit ich es beurteilen kann, keinen Befürchtungen hinzugeben. Die junge Dame befindet sich in der Stadt, im Hause eines befreundeten Herrn – –«