»Ich errate, mein Fräulein,« sagte er liebenswürdig. »Ihre Wirtschaft, der Sie sich zu meiner Bewunderung so umsichtig widmen, leidet offenbar Schaden, wenn Sie die Baulichkeiten auf Ihrem sauberen weißen Hof nicht mehr inspizieren können, nicht wahr?«

»Jawohl,« nickte Johanna.

Der Fürst stieß achtlos unter die Generalstabskarten auf den Tisch: »Das möchte ich selbstverständlich vermeiden. Mir liegt Ihnen gegenüber jede Härte vollkommen fern. Nein, bitte halten Sie dies nicht für ein Kompliment, ich tue dies schon aus Respekt vor meiner eigenen Rasse. Ihnen steht also von heut an der Aufenthalt auf Ihrem Hof frei, vorausgesetzt, daß Sie auch mir eine kleine Bedingung erfüllen.«

»Worin besteht die?« forschte Johanna kühl. »Sie haben ja die Macht, Durchlaucht,« setzte sie bitter hinzu, »alles zu erzwingen.«

Dimitri Fergussow wurde ungeduldig. Die ernsthafte Unterhaltung schien seinen vibrierenden Nerven lästig zu fallen.

»Sie werden mir also das ehrenwörtliche Versprechen geben,« erklärte er leichthin, »die Grenzen Ihres Hofes auf keinen Fall zu überschreiten. Auch für Ihre Familienangehörigen sowie für Ihre Angestellten bin ich gezwungen, von Ihnen diese Bürgschaft zu verlangen.«

»Ich soll mich verpflichten ...?« rief Johanna zurücktretend.

Jetzt leuchtete es in den schönen Männerzügen abermals auf. Es war ganz das sonnige Strahlen, das das arbeitsgewohnte Mädchen so schwer begreifen konnte. Aber in dem halbdunklen Zimmer wurde es förmlich hell davon.

»Sie müssen mich nicht mißverstehen,« sagte der Offizier, leicht auf sie zuschreitend, »ich habe nämlich den Eindruck, als wenn Ihr fester Wille hier von allen geehrt und gefürchtet würde. Auch von dem Fräulein Schwester; übrigens ein sehr erfreulich lebhaftes Temperament,« setzte er hinzu. »Empfangen Sie mein Kompliment zu dieser graziösen, ganz undeutschen Erscheinung.«

Da runzelte die Blonde schwer die Stirn, ihre Figur straffte sich, so daß die kräftigen Glieder hervortraten, und ihre Wangen flößten durch ihre Marmorblässe dem Beschauer ein erneutes Befremden ein.