»Sie behalten immer recht, lieber Hans,« sagte der Konsul verbindlich.

»Nein, nein, scherzen Sie nicht. Diesmal wird es wirklich Ernst. Und da ich ja keine Mutter und leider auch im eigentlichen Sinne keinen Vater besitze,« fügte sie mit kurzem Atem an, »so wende ich mich eben an Sie. Ich habe Vertrauen zu Ihnen.«

Der Konsul wollte etwas erwidern, aber von ihrem merkwürdig dunklen Blick getroffen, brachte er es nur dazu, ihr warm und zustimmend die Hand entgegenzustrecken. Dann forschte er schnell:

»Also um was handelt es sich, liebster Hans? Spannen Sie mich nicht länger.«

Merkwürdig, die Älteste von Maritzken schien keineswegs zu spüren, wie die Hand des Mannes noch immer auf der ihren ruhte. Sie fuhr unbekümmert fort:

»Gestern abend saß ich auf der Wiesenbank vor den drei Statuen der römischen Kaiser –«

»Aha,« unterbrach der Zuhörende, »die Stelle muß man sich merken, das ist offenbar Ihr Lieblingsplatz.«

»Ja, ich sitze gern dort. Aber gestern wurde mir der Ort auf lange Zeit verleidet. Denken Sie sich, Konsul Bark, – es fällt mir sehr schwer, Ihnen dies alles zu gestehen – als ich meine Blicke ganz absichtslos über die weite grüne Wiese richtete, auf der gerade ein junger Hase seine komischen Männchen machte, da sah ich ganz hinten am Waldsaum meine Schwester Marianne mit einem Fremden schreiten.«

»Weiter,« forderte der Konsul interessiert.

»Die Gestalten waren nur zwerghaft klein, aber ich erkannte den Eindringling trotz alledem, obwohl er nicht Uniform angelegt hatte.«