»Ich weiß nicht,« versetzte sie ungewiß, mit sich selbst kämpfend, »ich will es hoffen, obwohl meine Schwester Marianne – ich spreche zu Ihnen ganz rückhaltslos, lieber Konsul – für meinen Geschmack etwas viel zu Nachgiebiges und Entgegenkommendes besitzt. Aber selbst wenn sich Ihre Ansicht bewahrheitete,« fuhr sie überlegend fort, »dann halte ich es für schicklich, daß sich der junge Offizier zuerst an mich gewendet hätte.«

»Liebe Johanna,« begütigte der Konsul, »Sie klammern sich da an eine etwas altmodische Auffassung.«

»Nun ja, Sie mögen recht haben, ich bin eben mißtrauisch und wittere hinter allen Menschen zuvörderst irgendeine verborgene Absicht. Das Leben hat mich allmählich so geformt. Sie müssen mir das nicht übel deuten, lieber Freund, Ihnen gegenüber fällt das ja alles fort. Und nun die Hauptsache: Glauben Sie wirklich, daß Fritz Harder der geeignete Mann wäre, um eine so dauernd nach Glück und Glanz verlangende Natur wie Marianne befriedigen zu können?«

Der Konsul zuckte die Achseln.

»Gott, Sie werden nicht leugnen,« versetzte er endlich abschätzend, »daß er ein hübscher, flotter Bursche ist und, wie ich annehme, auch ein aussichtsvoller Offizier.«

Die Älteste von Maritzken rückte hastig mit ihrem Stuhl.

»Glauben Sie das wirklich?« entgegnete sie mit wenig überzeugtem Ton. »Das gerade möchte ich bezweifeln. Mir gefallen Männer nicht, die nicht vollkommen von ihrem Beruf ausgefüllt werden. Sehen Sie, was hat sich ein junger Leutnant für schweres Geld einen Flügel zu kaufen, um nun halbe Nächte lang auf ihm herumzuphantasieren? Er komponiert ja auch.«

»Na, Hans,« beruhigte der Konsul, »die Vergnügungen in einer mittleren Garnison sind ja nicht allzu abwechslungsreich. Wenn er sich nur mit dieser Art von Spiel befaßt, so wollen wir ihn deswegen nicht verurteilen.«

Aber die Gutsherrin war nicht so leicht abzuweisen.

»Schön,« gab sie zu, »aber der junge Mensch hat leider überhaupt etwas Dilettierendes. Wie Sie wissen, versucht er sich auch in der Ölmalerei. Er bringt zwar ganz nette Porträts hervor, aber wie sich dies alles mit seinem eigentlichen Beruf vereint, das begreife ich nicht. Und um wahr zu sein, es erregt mir Mißbehagen.«