Aber die Außenwelt brauste noch auf einem anderen Wege, gleich Gewitter und Hagelschlag, in den erzwungenen Frieden von Maritzken und schmetterte die künstlich schlaffe Ruhe, die hier wie eine kranke Blume aufgeschossen war, für immer zu Boden.
Ein Geheul und Gekreisch, das sich unmöglich aus Menschenlauten zusammensetzte, nein, das vielmehr von bösartigen, losgelassenen Geistern der Tiefe ausgestoßen schien, schrillte, pfiff, heulte und wieherte über die Landstraße und riß das vergrübelte Weib wie mit krallenden Nägeln aus der kühlen Haselnußlaube heraus. Entsetzt, unfähig, einen Gedanken zu fassen, stürzte die Herrin von Maritzken auf ihren Hof. Von allen Seiten flogen die Fenster auf, scheue, angstvolle Gesichter beugten sich heraus, und alles starrte auf die Chaussee, wo windschnell ein wüster schwarzer Haufe vorüberwirbelte. Tier und Mensch ununterscheidbar durcheinander. Dazwischen Flintenschüsse. Markdurchzitternde, gellende Hetzrufe. Und alles eingehüllt in eine dicke und doch blinkende Staubwolke. Gleich darauf schlug hinter den Bäumen des Parkes eine Feuerlohe in die Höhe. Von dem leichten Wind getrieben, stoben die Funken über die Dächer des Anwesens. Durch das Tor aber quollen junge Weiber herein, hoch aufgeschürzt, die meisten mit entblößten sonnengebräunten Armen; Mägde des Gutes und zurückgebliebene Tagelöhnerfrauen, die sich wie verzweifelt an die hohe Gestalt Johannas drängten als ob sie hier ihren letzten Rückhalt witterten.
»Fräulein – Kosaken!«
»Sie sagen, es sei hier geschossen worden.«
»Den Laden von Kurra haben sie ausgeräumt und angesteckt.«
»Ja, und Tilly – Tilly Baumgartner –«
»Was ist's mit Tilly?« stammelte Johanna betäubt und griff nach der Schulter einer der Mägde, um sich zu stützen.
Da drängte sich die Frau des Verwalters, der seit jener Ausfahrt nicht mehr wiedergekehrt, aus dem Haufen, und das Weib raffte sich ihre blaue Schürze vor das Gesicht und heulte unter dem Leinen hervor:
»Weggenommen haben sie sie mir, Fräulein, von meiner Hand gerissen, und mir selbst einen Schlag über die Augen, daß ich nicht sehen kann.«
Dann ein Wimmern der Mägde, von draußen herannahendes Galoppieren, Hetzen und Verwünschungen, und dicker qualmiger Staub, der über die Mauern des Hofes rauchte.