»Fräulein Grothe,« begann er endlich, und er preßte beide Fäuste zusammen, als könne er die Fülle, die er in sich barg, nicht anders bändigen, »unsere dünnen Reihen wurden jammervoll zugerichtet, und wir sind von weiten Landstrichen verdrängt worden. Aber was sich jetzt bei uns vorbereitet, glauben Sie mir, das wird und kann nicht fehlschlagen. Sie werden nicht mehr lange mit Ihrem Prinzen an einer Tafel sitzen, verlassen Sie sich darauf,« stieß er heftig hervor, und aus dem verunreinigten Gesicht blitzten die weißen Zahnreihen so wild und begierig, daß sich Johanna, um eine unerklärliche Angst niederzukämpfen, die Hand fest um den Hals spannte.

»Fritz, wird es bald sein?« fragte sie verwirrt und wandte ihr Haupt ungewiß nach dem Herrenhaus.

Der andere zuckte die Achseln, und seine Stimme wurde immer dunkler und drohender. »Sie werden von uns hören, Fräulein Grothe, und von mir auch,« setzte er frohlockend hinzu. »Nein, nein, lassen Sie,« wehrte er ab, als er merkte, wie das Mädchen noch einmal ihr Drängen nach seinen Plänen zu wiederholen suchte, »lassen Sie mich hier in dem Graben entlang waten, so komme ich am besten um das Gut herum.«

Damit kauerte er sich wieder an der Erde nieder, bis seine Füße über die Böschung herabhingen, und während Johanna gleich darauf den Morast aufspritzen hörte, wurde unten das Erlengestrüpp noch einmal zur Seite geschoben, und der kahl geschorene Schädel tauchte abermals auf.

»Ich soll noch einen Gruß an Sie bestellen,« klang es aus dem Wasserlauf empor. »Ich habe Ihren Vetter von Sorquitten vor wenigen Tagen gesprochen.«

Da mußte Johanna lächeln. »Ach, Fedor Stötteritz,« meinte sie gutmütig, »wie geht es dem großen Jungen?«

»Als ich ihn zuletzt sah, stand er in der Abenddämmerung unter einem zerschossenen Schuppen neben seinem riesigen Pferde und rief mir nach, diesmal würden Sie es ihm wohl nicht übelnehmen, wenn er recht bald mit seinem lauten Wesen in Maritzken nach dem Rechten sähe. Ich bitte um Verzeihung, Fräulein Grothe, wenn ich den Auftrag wörtlich ausrichte, doch ich hoffe, daß er Ihnen verständlich sein wird.«

»Ich danke,« entgegnete Johanna beklommen und sah ernst zu Boden. »Ich verstehe seine Meinung recht gut.«

Abermals schlug ihr das Herz, und sie begann unwillkürlich zu lauschen, ob sich auf den Steinen des weißen Hofes nicht ein silberner Sporenklang melde. Als sie wieder aufblickte, hatten sich die Zweige zu ihren Füßen geschlossen, und nichts deutete mehr darauf hin, daß hier vor kurzem jemand geweilt, der zwischen ihr und der Außenwelt ganz unerwartet ein paar dünne Fäden geknüpft hatte.