Der Russe stützte wieder den blonden Kopf in die Hand und streichelte grübelnd über die weiße Lampenglocke. Durch seine abgezehrten Finger sah man das Blut schimmern.
»Oh doch,« sprach er in sich gekehrt weiter, »manche von uns verdienen Rücksicht nicht. Es ließe sich viel darüber sagen, sehr viel.«
Während der letzten Worte glitt der unruhige Blick des Kranken nach der gegenüberliegenden Wand, und es schien, als wenn er zu etwas ganz Besonderem auszuholen beabsichtige. Indessen auch seine Entschlußkraft mußte wohl durch seine Leiden gebrochen sein, denn er sank unverrichteter Sache wieder zusammen und murmelte etwas zur Entschuldigung. Und dennoch hatte die Andeutung in seiner Hörerin das Gefühl erweckt, als ob sich seine versteckte Warnung auf den Fürsten Fergussow beziehe.
Eine Weile blieb es still zwischen den beiden, die sich scheuten, einander weitere Eröffnungen zu machen. Dann wünschte Johanna dem Rittmeister eine gute Nacht. Sassin jedoch, als ob er fürchte, jetzt schon allein gelassen zu werden, streckte die Hand gegen sie aus und klammerte sich an ihr letztes Wort.
»Bonne nuit,« nickte er schwermütig. »Ja, habe hier gut geschlafen. Das Bett weiß, das Haus ruhig. Wer kann wissen, wie später einmal finden werde?«
»Werden Sie denn von hier fortgehen?« fragte Johanna gepackt.
Der Russe kratzte wieder an der Glocke herum. Nur schwer rang er sich das Folgende von der Seele:
»Im Krieg kommt so etwas schnell,« versetzte er. »Man erzählt sich jetzt hier allerlei. Und dicker Doktor hinterbrachte mir heute, daß wieder vorwärts geht.«
»Dann werden Sie vielleicht alle bald Ihr Quartier verlassen müssen?« atmete Johanna hörbar.
Der Russe stöhnte. »Ich nicht – andere – ich nicht.«