»Ach ja, was gibt es noch, Nicolai Feodorowitsch?«

»Ich meinte,« sagte der Pristav sich verbindlich verneigend, »Euer Hochgeboren hätten den Wunsch geäußert, das Protokoll über diese beiden Deutschen –«

»Ach ja, das Protokoll,« warf Herr Tolmin ungnädig dazwischen und wanderte nun, die fleischigen Hände auf den Rücken gelegt, mehrere Male keuchend über den Teppich. »Du hast ganz recht, mich daran zu erinnern. Aber solltest du nicht auch meinen, Nicolai Feodorowitsch,« fuhr er schließlich fort, wobei er, da er wieder in die Nähe des Tisches gelangt war, den Resten des Huhnes einen kosenden Blick zuwarf, »solltest du nicht auch meinen, daß sich diese ganze Prozedur besser auf morgen verschieben ließe?«

»Gott – ich glaubte eigentlich –«

»Was glaubtest du? Wir sind alle etwas abgearbeitet. Du siehst selbst, welche Plage es mir macht, diese Murmeltiere von Schreibern wach zu erhalten. Wie? Sagtest du etwas? Nun gut, wer weiß, wie lange man die beiden Nemzows noch beaufsichtigen muß? Ich habe sie jetzt gesehen, das genügt mir. Du kannst sie vorläufig abführen lassen, Nicolai Feodorowitsch.«

Der Polizeimeister warf sich wieder auf das Sofa und kehrte hinter seinem Zeitungsblatt zu dem bedenklich erkalteten Huhn zurück. Bald hörte man von dem Gewaltigen nur noch ein Klirren und Schnaufen.

Der Pristav aber wandte sich unentschlossen hin und her.

»Euer Hochwohlgeboren, wo befehlen Sie, daß die Deutschen untergebracht werden?« wagte er endlich den Vorgesetzten hinter seiner papiernen Wand hervorzulocken. »Wäre etwas dagegen einzuwenden, wenn die Gefangenen in ihr Hotel zurückkehrten?«

»Ist es möglich? Du bist noch da?« schalt Herr Tolmin und ballte gereizt das Zeitungsblatt zusammen. »Du siehst, ich denke bereits über etwas anderes nach. Was zum Henker sprachst du von einem Hotel?«

Der Pristav setzte die Füße zierlich gegeneinander und schwenkte untertänig seinen Zylinder. Dann erlaubte er sich, seine Ideen noch einmal zu erläutern. Allein der Polizeimeister-Stellvertreter, der schon wieder Messer und Gabel in den Händen hielt und nun endlich wünschen mochte, seinem Imbiß dauernd den Garaus zu bereiten, er schnitt seinem Untergebenen ärgerlich das Wort vom Munde ab.