Gerade als es in rollenden, schleppenden Tönen von der Sebaldus-Kirche die siebente Stunde schlug, da quoll aus der am Markt liegenden Konditorei von Klinkowström eine kleine Anzahl junger Offiziere heraus, die sich lachend und säbelschleifend über dem schmalen Trottoir verbreitete.

»'n Abend, Harder.«

»Adieu, Janick. Ihr bleibt im Kasino, wie?«

»Nirgends anders. Dort soll ja eine kleine Götterberatung stattfinden, was wir mit dem Onkel aus dem Generalstab anstellen sollen, der den Herren Offizieren in einiger Zeit zum Vortrag geschickt wird. A propos, lieber Harder, ist dieses wissenschaftliche Huhn, der Major von Siebel, nicht ein Verwandter von Ihnen?«

Der junge Offizier mit der saloppen, etwas vorgebeugten Haltung und dem scharf geschnittenen, bartlosen Antlitz, von dem seine Kameraden behaupteten, daß es ein Cäsarenkopf wäre, hakte seinen Säbel ein und blies von dem schwarzen Interimsrock achtlos etwas Zigarettenasche hinweg.

»Siebel?«, wiederholte er mit einer leisen, wohllautenden Stimme, die gar nichts Militärisches in sich barg und auch den energischen Zügen seines dunklen Gesichts nicht zu entsprechen schien. »Was Sie sagen, Janick, kommt der her? Jawohl, er ist wohl ein Übervetter meiner Mutter. Wir duzen uns gerade noch. Übrigens ein grundgescheiter Herr.«

»Na ja,« pflichtete der baumlange Janick bei, indem er einen anderen Kameraden bereits unter den Arm faßte, »die Weisheit liegt in Eurer Familie. Na, und Sie, Musikante, ziehen wohl für heute abend wieder zu Mendelssohn und Beethoven ab? Meinen Segen haben Sie. Viel Erbauung!«

Der Schlanke griff nachlässig an seine Mütze und wandte sich, um in eine Seitenstraße einzubiegen:

»Danke für den frommen Wunsch, meine Herren,« meinte er gleichgültig, »Sie sind sehr gütig.«

Seine Schritte hallten schon in dem engen Gäßchen, als der lange Janick ihm noch nachrief: