»Herr Konsul,« vermochte sie nur hervorzustoßen, »bedeutet das ein Unglück für uns?«
In ihrem schmalen Gesicht arbeitete es. Trostsuchend lugte sie zu ihrem Freunde empor. In diesem Augenblick empfand sie nur das eine, wie die lange Fahrt auf dem schmutzigen Kohlenkahn von allen Schimmern der Poesie umflossen sei, und das jenes namenlose, aller Regel eines strengen Bürgertums entbehrende Dahingleiten einen Höhepunkt ihres Daseins bildete. Sie zitterte vor Hoffnung und vor Spannung.
»Bedeutet das für uns ein Unglück?« drängte sie noch einmal und ergriff schutzbedürftig die Hand des Kaufmannes.
Beschwichtigend zog Rudolf Bark das aufgeregte Mädchen wieder an seinen Platz hinter der Kajüte zurück. Und als er fühlte, wie die Verängstigte sich an ihn schmiegte, da streicheln er ermunternd über ihre Wangen.
»Isachen, es will mir scheinen, es kommt im Moment gar nicht so sehr auf uns beide an.«
Allein die Kleine schüttelte unter Tränen lachend das Haupt.
»Doch, Herr Konsul,« entgegnete sie kleinlaut, – »Sie müssen entschuldigen, ich bin natürlich lange nicht so klug wie Sie, – aber das Leben kann doch auch etwas sehr Seltenes und Kostbares sein. Es wäre zu schade, wenn dies alles untergehen sollte.«
»Oh, der Kahn ist fest,« entgegnete der ältere Mann verständnislos.
Und dann saßen die beiden wieder und sahen zu, wie der blasse Morgen über die Felder eilte. Die grauen Dunstwolken zerfaserten sich, über den Chausseepappeln begannen schwarze Scharen von Krähen zu kreisen, und unter ihnen wurde die Landstraße einsamer und stiller. Hinter den wallenden Staubmassen war die brandende Flucht erstorben. Langsam und allmählich schwirrte von dort ein schüchterner Vogelgesang auf, und auch die Heimchen der Wiese besannen sich auf ihr Morgenlied.
Stunde auf Stunde verging. Es wurde immer heller.