»Es brennt nicht mehr,« beruhigte sie den Landmann abwehrend.

Gleich darauf nickte sie ihm freundlich zu und ging zur Tür. – Dabei sah sie wohl nicht, daß er ihr die Hand entgegengestreckt hatte, wie er es immer tat, wenn er ihr »Gute Nacht« bot.

Die Tür schloß sich, bevor sie seinen Wunsch vernehmen konnte. Befremdet blickte ihr der Pächter nach. Dann ging er noch lange in dem großen Zimmer auf und nieder, bis er endlich unter das Fenster trat, genau dort, wo Hedwig vorhin gestanden hatte.

Und ebenso, wie sie, spähte er in das lautlose Schneetreiben hinein, er drückte die Stirn an das eisige Glas und regte sich nicht. Dachte er an sein fernes Weib?

Er stellte sich vor, wie sie sich das goldene Herzchen um den weißen abgemagerten Hals schlingen würde, aber während er sich es ausmalte, wurde draußen das Getriebe immer stürmischer, die Flocken wirbelten und balgten sich immer toller – das verwirrte seine Gedanken.

»Was wohl Hedwig sagen würde,« raunte etwas in ihm, »wenn ich ihr morgen das dünne Kettchen um den Nacken legen würde?« Er wollte den Gedanken abschütteln, aber im Geist beugte er sich und küßte sie auf diesen weißen, blühenden Nacken. Und immer heißer und toller braute seine Phantasie. »Ob sie dann wohl die Arme um ihn schlingen und ihren roten Mund zu ihm erheben würde, wie ein liebendes Weib, das sich an den Mann schmiegt?«

Ein irres Lächeln umspielte seine Lippen.

Plötzlich fuhr er auf und brach in ein gewaltsames, schmerzliches Stöhnen aus:

»Jesus Christus – nicht in Versuchung,« stammelte er, »o Gott, nicht in Versuchung.«

Wie im Krampf faltete er die Hände.