»Wilms – ich bitte dich, Schwager,« flüsterte sie dringend. »Geh’ jetzt hinaus und laß mich allein – ganz allein – nicht wahr, du tust mir den Gefallen?«
»Natürlich, Heting, ich tu’ ja alles, was du willst,« erwiderte der Landmann. »Bloß sag’ mir noch, bist du vielleicht ungehalten, weil ich heute ohne dich in die Kirche ging? Sieh, wenn du es nicht für recht hältst, dann will ich ja überhaupt nicht mehr hingehen.«
Sie machte nur eine stumme Bewegung der Verneinung, und der Pächter schritt schwer und erschüttert hinaus. Kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, so erhob sich Hedwig und warf sich vollkommen durchrüttelt und kraftlos vor Elses Bett in die Knie, wo sie ihren Kopf in die Kissen grub.
»Schwester – Schwester,« murmelte sie halb betäubt vor Seelenangst.
Unterdessen schritt Wilms in dumpfer Verzweiflung auf dem Hof hin und her. Und immer wieder richteten sich seine überbuschten Augen auf das Fenster, hinter dem früher seine kranke Frau gelegen hatte und ihm Qual bereitete. Jetzt spähte er nach der gesunden Schwester.
Er griff nach seiner Stirn und wunderte sich.
Unter ihm lag noch immer die Erde fest und bebte nicht, über ihm schwamm der Schneehimmel und spie keine Feuerballen aus, um ihn herum ragten Haus und Scheunen festgefügt wie sonst, und doch brütete der Mann, der nicht mehr in die Kirche gehen wollte, über eine der Todsünden nach.
»Gedankensünden,« hatte der Pastor einmal gesagt, »Gedankensünden.«
Es sollte noch schlimmer kommen.
Der kleine Hofjunge trat auf ihn zu und händigte ihm einen Brief aus. Er enthielt eine Einladung für den heutigen Abend zur Försterfamilie. Die Försterin hatte ihn selbst mit zierlicher Handschrift geschrieben.