Sie war leichenblaß geworden, nur die braunen Augen glänzten und funkelten wie feurige Kohlen.

»Weil,« fuhr die Frau eindringlich fort, »die Lästerzungen in der Umgegend sich schon darüber aufhalten. Ich rate Ihnen gut, wenn auch nichts daran ist, gehen Sie dem Gerede lieber doch aus dem Wege.«

Da raffte sich Hedwig auf, alles Blut schoß ihr zum Herzen, es war ihr so weh, daß sie laut hätte schreien mögen, denn sie fühlte, daß sie jetzt den Scheideweg erreicht habe.

»Liebe Frau Annchen,« sprach sie dennoch straff aufgerichtet, obwohl die vollen Lippen in dem bleichen Gesicht bebten, so daß ihr Gegenüber nur mit Mühe ihre Worte verstand. »Solch müßiges Geschwätz ist mir gleichgültig. Ich tue das, was ich für recht halte, und scheue niemand.«

Damit riß sie sich heftig los und ging in der großen Stube mitten durch die Fröhlichen hindurch, gerade auf Wilms zu, um ihn zum Tanz aufzufordern.

Die Försterin wurde rot vor Unwillen, als sie es sah, und flüsterte aufgeregt mit ihrem Manne.

»Heting,« sprach Wilms betreten, »ich möchte nicht gern. Solange Else fort ist – –«

Sie achtete nicht darauf. »Komm, Schwager, – wenn ich dich bitte?«

Dabei sah sie ihn an mit ihren fieberigen Augen so heiß, so flehend, als ob er ihr damit das Leben retten könnte, als ob ihr ganzes Dasein an diesem einen Tanze hing.

Da schlug es auch über ihm zusammen. Weib – Ruf – die Furcht vor dem Gerede, alles ging unter in dem einen Wunsche, dieses lebenstrotzende Wesen einmal umschlingen und forttragen zu dürfen.