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Es war an einem Maienabend. Wilms, Hedwig und der kleine Pastor Schirmer saßen in der Fliederlaube und schwatzten über dies und das. Ein Windlicht leuchtete auf dem Tisch. Die Luft ging so sacht, daß selbst der winzige geistliche Herr mit seinen spärlichen Silberlocken barhäuptig saß.

Da knirschte ein starker Schritt den Gang entlang. Ein paar Zweige wurden zurückgeschoben, die mächtige Gestalt des Försters wurde sichtbar.

»’n Abend meine Herrschaften,« rief er fröhlich und schüttelte allen die Hand. »Sie haben hier ein schönes Plätzchen – wahrhaftig. – ’n Abend Fräulein Hedwig, Ihnen bring’ ich was ganz Besonderes mit –« er schnalzte mit der Zunge – »hier.«

Dabei reichte er dem Mädchen ein starkes Bündel grüner Kräuter herüber. Die strömten einen würzigen Duft aus.

»Waldmeister?« sprach Hedwig überrascht.

»Richtig – meine Frau hat ihn selbst gepflückt. Er blüht in diesem Jahr so prächtig, daß – –«

»Daß man ihn nicht umkommen lassen darf,« ergänzte die junge Wirtin anmutig, »wie wär’s, Herr Forstmeister, wenn wir gleich eine Bowle zusammen brauten? Sie haben doch nichts dagegen?«

»Dagegen?« schrie der Weidmann und sah sich so triumphierend um, als hätte er eben ein gutes Werk zustande gebracht. »Deshalb habe ich ihn ja gerade zu mir gesteckt. Und mit Ihnen in der Küche, Fräulein Hedwig? – Herrje, wenn meine Frau das wüßte, daß ich mich jetzt noch mit Kochen abgebe. Aber das soll auch ein Schlückchen werden, passen Sie mal auf, Herr Pastor, was da rauskommt.«

Die andern riefen Beifall. Und nach kurzer Zeit erschien Hedwig wieder mit einer großen Terrine, hinter ihr der Förster, der noch eine Flasche Rheinwein unter dem Arm trug. »Wenn’s zu dünn sein sollte,« erklärte er augenblinzelnd.