Hedwig trat an den Schlag heran und reichte dem Geschäftsmann die Hand. Verwundert fragte sie, ob er denn aus der Stadt eine Bestellung an sie hätte.
Der Händler wiegte den Kopf: »Wissen Sie’s denn noch nicht? Das heißt wieso sollen Sie’s wissen?« wiederholte er sich selbst. »Da hab’ ich heut den Kreisarzt getroffen, Rumpf – behandelt mir auch wegen mein Steinleiden, macht ümmer faule Witze, sagt ümmer ›Se müssen’s aushalten Herr Rosenblüt, Sie sind eben ’n steinreicher Mann.‹«
»Ja, aber Herr Rosenblüt – –«
Der Händler besann sich: »Da hat mir der Kreisarzt aufgetragen, Ihnen ’ne Überraschung zu machen. Nu, wissen Sie’s noch immer nicht? Ihre Frau Schwester ist zurück – bei Ihrem Herrn Vater – und morgen wird sie hier ankommen.«
»Wer ist zurück?« fragte Hedwig ganz leise.
»Nu, die Frau Wilms. Und aussehen soll se, ich sag’ Ihnen, so gesund, wie Sie und ich. Kann mir denken. Es ist ne große Freude für Sie. Na, grüßen Sie mir den Herrn Wilms – ich lass’ ihm gratulieren. – Gute Nacht, Fräulein Schröder.«
»Ich danke Ihnen auch bestens,« sagte Hedwig und reichte ihm die Hand.
Der Wagen rollte weiter.
»E seltsam ruhiges Mädchen,« dachte der Händler, während er sich in die Kissen zurückdrückte. »Sie bleibt sich immer gleich – in Freud und Leid.«
Hedwig ging langsam über den Hof zurück und betrat wieder den Garten. Lange stand sie hinter der erleuchteten Laube und zupfte gedankenlos einen Zweig des weißen Flieders ab. Drinnen hatten die Herren die Karten zusammengeschoben, sie stießen noch einmal zum Abschied mit den Gläsern an und der Förster reckte sich, strich das gewonnene Geld ein und summte vor sich hin: