»Freust du dich denn gar nicht, Wilms, daß ich wieder da bin? Du bist ja so still.«
Zärtlich hob sie den Mund zu ihm empor und schloß die Augen, als Wilms sich schwer und wortlos zu ihr niederbeugte. Aber während er es tat, streifte sein Blick ängstlich die Jüngere. Schweigend wandte sich Hedwig zum Fenster.
»Und nun wollen wir zu Tisch gehen,« rief Else. »Ihr sollt mal sehen, wieviel ich jetzt essen kann. Nicht mehr so wie früher.«
Mit diesen Worten ließ sie sich auf das Sofa nieder, wo Hedwig sonst bei Tisch gesessen hatte, und zog Wilms neben sich.
Die Schwester mußte ihr gegenüber auf einem Stuhl Platz nehmen.
Dann teilte sie selbst in eifriger Geschäftigkeit die Speisen aus, ja die Heimgekehrte schien an einem Tage alles wieder einholen zu wollen, was sie in jahrelanger Krankheit in der Wirtschaft verabsäumt hatte. Zum mindesten wünschte sie dem Gatten ihre frischgewonnene Kraft zu zeigen, damit er sich daran erfreue.
Und dann begann sie ihre Erlebnisse in der Klinik zu erzählen.
Wilms Stirn verdüsterte sich immer mehr.
Seit Monden schon hatte ihn bei seinem Verkehr mit Hedwig nicht mehr die leiseste Andeutung daran erinnert, daß sein Heim einmal einem Lazarett geglichen, in dem nur über Ärzte, Krankheit und Medikamente verhandelt worden war. Jetzt, während Else umständlich ihre überstandenen Leiden beschrieb, erhob sich förmlich wieder jener laue Krankheits- und Verwesungsgeruch, der jahrelang seine Sinne niedergedrückt hatte.
Hilfesuchend sah er auf Hedwig, aber das Mädchen schien aufmerksam zuzuhören und auch seine Abneigung nicht zu teilen. Das verdarb ihm das erste Mittagsmahl vollständig. Nur zum Schein hielt er noch Messer und Gabel in der Hand, ja er dankte Gott, als seine Frau, die trotz ihres gerühmten Appetites von allem nur flüchtig genippt hatte, endlich die Tafel aufhob.