»Weißt du, Heting,« sagte sie zur Schwester und klopfte ihr beim Aufstehen mütterlich die Wange: »Du siehst blaß aus. Gewiß hast du dich in der letzten Zeit hier überanstrengt. Aber jetzt soll das alles anders werden. Ach, Wilms, wie glücklich bin ich darüber, daß ich jetzt selbst wieder alles in die Hand nehmen werde. Und paßt nur auf, wie rasch ich mich wieder hineinfinde. Dann will ich dich auch ordentlich pflegen, mein kleines Heting.«
Die Angeredete lächelte wehmütig, und wieder trafen sich ihre und des Landmanns Augen in einem langen, vielsagenden Blick.
Es war bereits das drittemal, daß sie so stumm und traurig miteinander sprachen.
Bedrückt und nicht fähig, sich länger zu beherrschen, riß sich endlich Wilms los. Er verabschiedete sich von seiner Frau, um aufs Feld zu gehen, die Saat weiter zu beaufsichtigen.
Aber das alte Spiel wiederholte sich, Else haschte rasch nach seiner Hand.
»Wilms, du willst mich jetzt schon allein lassen?« rief sie mit leisem Ton des Unmuts, »gleich den ersten Tag, wo ich hier bin?«
Dabei wurden ihre Wangen glühend rot, mit den Zähnen nagte sie an der Unterlippe. »Das wirst du doch nicht tun, nicht wahr?«
Hier schon war es ersichtlich, daß die Halbgenesene eine Aufregung oder gar einen Streit nicht würde ertragen können.
Der Landmann blieb stehen.
Das also war seine Zukunft? Sollte er wieder gefesselt werden, daß er der daherfahrenden Not abermals gebunden und widerstandslos überliefert war?