»Bewahre, Elsing,« widerlegte Wilms, »wir haben ja gestern erst mit Hedwig hier gesessen, sogar bis spät in die Nacht hinein.«

»So?« entgegnete Else gedehnt. Eine leichte Wolke zog über ihre Stirn, die Falten um ihren Mund prägten sich etwas schärfer aus, es war nur eine ganz leise Andeutung von Verstimmung und ebenso schnell wieder entschwunden, wie sie entstanden war.

Noch war kein Argwohn in der Leidenden erwacht.

»Dann habt ihr euch ja in meiner Abwesenheit ganz gut unterhalten,« meinte sie achselzuckend.

Sie lächelte dabei, wie wenn sie das Ganze für einen Scherz hielte, und liebkoste die Hand ihrer Schwester. Gleich darauf aber verzog sie die Schultern.

Eben war die Sonne hinter rotglühenden Streifen verschwunden, ein laues Lüftchen strich über die Wiesen.

»Mir wird doch zu kalt,« sagte Else matt und erhob sich rasch, »und ich denke, wir wollen deshalb lieber im Zimmer essen. Dafür sind wir ja auch alle drei wieder zusammen.«

Sofort erhoben sich auch die andern. Der Wille der Kranken war mächtiger als ihre eigenen Neigungen. Sitte und Gewohnheit geboten immer dieselbe rücksichtsvolle Unterordnung.

Sorglich legte ihr Hedwig ein Tuch um die Schultern, Else nahm den Arm der Jüngeren, und nach all der selbst auferlegten Anstrengung dieses Tages wandelte sie matt und müde neben der jugendfrischen Führerin her.

Wilms folgte ihnen.