Entsetzen.

Sie mußte etwas Gräßliches erschaut haben.

Grußlos gingen die beiden auseinander. Bald darauf betrat Wilms das Wohnzimmer, um sich von seinem Weibe zu verabschieden. Munter und emsig fand er Else an ihrem Nähtisch sitzen, eifrig damit beschäftigt, Leinenzeug zusammenzusticheln.

»Wo ist Hedwig?« fragte sie rasch bei seinem Eintritt und hob ihre hellen Augen.

Wilms stutzte: »Wahrscheinlich in der Küche,« gab er unbeholfen zurück. Er log. Etwas Unerkanntes, Dunkles zwang ihn dazu.

Sein Weib ließ ihre Arbeit langsam in den Schoß sinken und sah ihn an. Eben hatte ihr Dörthe, die Obermagd, erzählt, daß sich Hedwig mit dem Herrn im Garten erginge. Und doch sagte er, daß er mit ihrer Schwester nicht zusammengetroffen wäre?

Sie atmete rasch, ihre Finger erzitterten ein wenig, in der Hast stach sie sich mit der Nadel, daß ein kleiner Blutstropfen hervorquoll.

Wilms wollte ihr rasch sein Taschentuch herumwinden. Sie wehrte ihn ab:

»Laß das. – Es macht nichts,« sagte sie fest, obwohl ihre schwache Stimme leise zitterte. Dann wandte sie sich und schaute eine Zeitlang still zum Fenster hinaus. Als sie ihrem Mann ihr Antlitz wieder zukehrte, hatte es seinen alten Ausdruck zurückgewonnen, nur ihre Augen blickten nachdenklich und grübelnd vor sich hin.

»Adieu Wilms,« sagte sie etwas gezwungen, und nachdem sie sich noch die Hände gereicht hatten, bat sie ihren Gatten: »Schick’ mir doch Christian einmal herein. Er soll eine Einladung zu Pastors tragen.«