Als der Pächter öffnete, sah er draußen in der klaren, sternenhellen Nacht Pastor Schirmer im vollen Ornat stehen, nach welchem Wilms auf der Sterbenden Wunsch geschickt hatte.

Schweigend führte er den späten Gast ins Wohnzimmer. Der Geistliche mußte irgendwo im Vorüberwandern einen Zweig blühend roten Rotdorns abgepflückt haben. Den legte er als letzte Gabe auf das weiße Linnen. Dann wurde das Kruzifix vor das Bett gerückt, die Lichter angesteckt, und das zitternde Männchen wollte der Schlummertrunkenen die Sterbesakramente spenden. Jedoch still und starr lag die Wegbereite und hörte nichts von dem, was sie sonst leidenschaftlich in sich aufgenommen hätte. Aber die Gebete, die der Geistliche statt der heiligen Handlung vor sich hinmurmelte, waren doch nicht in den Wind gesprochen. Wenn es der einen Schwester auch verloren ging, die jüngere und schönere folgte seit langer Zeit zum erstenmal einer kirchlichen Handlung mit zurückgehaltenem Atem und brennenden Augen.

Es war ihr, als wären dies die Hochzeitsweisen, die für sie und den Mann neben ihr gehalten würden – dicht neben dem Lager der Scheidenden.

»Amen, – Amen,« schloß der Priester.

»Amen,« wiederholte Hedwig fest und mutig.

Der Pastor wollte allein bei Else bleiben, und so gingen die beiden andern still hinaus. Vor der Tür verharrten sie noch einen Augenblick und lauschten zurück. Drinnen hörten sie, wie der Priester mit lauter, erregter Stimme Gebete aufsagte.

Dann trennten sie sich, ohne sich die Hand zu reichen, ja, ohne Gruß. So hoch war schon die Spannung zwischen ihnen gestiegen, daß sie sich nichts mehr zu sagen hatten.

Es war nur noch ein Hindrängen.

Müde und gleichgültig suchte Hedwig ihr Lager auf, und Wilms wachte in der dunklen guten Stube neben Elsens Zimmer die bange, traurige Nacht durch.

Drinnen sang das zitternde, greise Männchen immer hingebungsvoller, und was ärztliche Kunst nie vermocht hätte, das geschah hier.