Else schlug plötzlich die müden Augen auf, und ein seliges Lächeln verbreitete sich über ihr ganzes Gesicht. Das Tiefste in ihrem Leben war getroffen und klang jetzt aus. Ja, sie wollte wie ein Kind Gottes, wie eine Fromme sterben. Mit unsäglicher Mühe richtete sie sich auf und klammerte sich vor Freude weinend an den Geistlichen: »Sie – sind – es, Herr Pastor?« hauchte sie, »o, wie schön – – dann ist mir wohl – o, so wohl –«

Und sie legte ihren Kopf andächtig gegen das weiße Greisenhaupt, und während sie durch das Fenster zu den hellflimmernden Sternen hinaufsah, sang sie ganz leise mit ersterbender Stimme das Auferstehungslied mit:

»O selig, der das Heil erwirbt,
Der in dem Herrn, dem Mittler stirbt!
O selig, wer, vom Laufe matt,
Die Gottesstadt,
Die droben ist, gefunden hat.

Nun, Tor des Friedens öffne dich:
Hinein! Hier schließt die Wallfahrt sich.
Ihr Schlafenden im Friedensreich,
Gönnt allzugleich
Auch mir ein Räumlein neben euch.«

Im dunklen Nebenzimmer saß ein Mann und hörte alles, was sich drinnen begab. – Wehmut, Verzweiflung, Leidenschaft stiegen in ihm auf, ein krampfhaftes Schluchzen drängte sich in seine Kehle; bebend, überwältigt faltete er die Hände und stammelte das nach, was zu ihm hereinschallte.

Er wußte nicht mehr, was er betete.


XI.

Der letzte Morgen für die Kranke brach an.