Hedwig erfüllte mit leichter Hand alle Wünsche der Kranken, bis die Schwester plötzlich zusammenfuhr, um das Mädchen starr anzublicken.
Sie hatte etwas entdeckt.
Dann schaute sie wieder auf Hedwigs Finger hinunter, um endlich von neuem ihre funkelnden Augen über ihre Pflegerin gleiten zu lassen.
Einen Moment sann sie nach.
»Heting,« begann sie mit singender Stimme, »was trägst du da für einen Ring? – sieh mal, von Silber – den wollte mein Mann mir ja immer schenken, und nun hat er ihn dir gegeben – – sieh mal – bist du nun seine Braut?«
»Else – laß meinen Finger – es tut mir weh.«
»Bist du seine Braut? – Komm’, Heting, ich will dir was sagen,« sie beugte sich herab und kreischte plötzlich mit schneidender Stimme: »Ehebrecherin!« – Ehe der entsetzte Mann das Mädchen noch von den umklammernden Griffen befreien konnte, führte die Rasende die Hand Hedwigs zum Munde und biß, wie laut die Vergewaltigte auch schrie, in den Ringfinger hinein und kratzte sie und zerrte sie an den Haaren.
»Hilfe – Hilfe,« rief Wilms. Mit einem Sprung war er am Bett, hob das Mädchen hoch in die Höhe und schleppte die Halbbetäubte ins Nebenzimmer hinein. Sie zitterte am ganzen Leibe und schlang schluchzend und Hilfe flehend die Arme um seinen Hals.
Da vergaß sich Wilms.
Er raffte das Mädchen, das er noch immer trug, an sich und voll wehen Mitleids preßte er ihr wütende Küsse auf Mund, Stirn und Hände, als müsse er alles gut machen, was eben an der Mißhandelten verschuldet war.