»Ah, jetzt verstehe ich dich,« sagte sie endlich mit ihrer klaren Stimme. »Du denkst an das, was Graf Brachwitz gestern erzählte.«
Sie zog dabei die Arme hinter das Haupt und schaukelte mit dem Stuhl leise hin und her.
»Ja, ja,« pflichtete Else bei, »das geht mir gar nicht aus dem Kopf. Und daß gerade die beiden Frauen dabei waren. Es klang alles so dunkel, Hedwig, sag’ mir doch, mein Liebling, was hattest du mit dem Grafen?«
»Was ich mit ihm hatte?«
»Ja – du mußt mich recht verstehen – – ach, es regt mich so auf und jagt mir soviel Angst ein – – du bist ja auch noch so unerfahren – – diese schreckliche Unruhe hat mich seit gestern vollständig niedergeworfen. – Wir haben doch beide keine Mutter mehr, Hedwig, und da bin ich –«
»Was ich mit ihm hatte?«
Über das Antlitz der Jüngeren glitt ein kaltes, merkwürdiges Lächeln, das wohl dem häßlichen Ausdruck galt, welchen die Kranke gewählt hatte. Dann dehnte sie ihre volle, im Sessel ruhende Gestalt und schüttelte den Kopf, als wollte sie damit das Gespräch ein für allemal abschneiden.
»Hedwig, peinige mich nicht,« rief die Kranke plötzlich mit spitzer, gereizter Stimme. »Was hattest du mit ihm?«
Die Jüngere wollte aufstehen. Die Gewöhnlichkeit des Ausdruckes stach sie geradezu, aber die Schwüle, die von dieser abgezehrten Frau ausging, die dumpfe Schwere, die bereits den kräftigen Wilms zermürbt hatte, preßte auch sie in ihren Stuhl zurück.
»Willst du mir keine Antwort geben?«