Wilms warf den Fetzen achtlos auf die Erde und seufzte tief auf. Er interessierte sich nicht für Politik.
»Jawoll,« meinte der Förster, der nachmittags im Vorbeigehen vorsprach, indem er das Zirkular bemerkte. »Der Graf will sich ja in den Reichstag wählen lassen. Dazu soll hier ein Verein gegründet werden. Zur Hebung der Sittlichkeit auf dem Lande. Na ja, alter Freund, es soll ja bei uns auch ganz doll zugehen. – Die verdammten Weibsbilder – haben Sie’s nicht auch schon bemerkt, Wilms? Kaum hat man mal eine für die Hofarbeit in Lohn genommen – pardauz muß man sie wieder entlassen. – Is da was los mit so ner Person. – Ne – die Sittlichkeit, – weiß der Deuwel – man kann den Frauenzimmern nicht trauen.«
Er kraute sich hinter den Ohren. »Da soll ja neulich auch was mit einer Verheirateten vorgekommen sein, – warten Sie mal – es war sogar ’ne Adlige hier in der Nähe. Aber lachen Sie mich nicht aus, ich glaub’s nicht, weil bei Eheleuten ’ne zu große Portion Schlechtigkeit dazu gehört – Pfui Deuwel, kann ich bloß sagen.«
Wilms blickte den gutmütigen Riesen starr an. Seine Lippen bewegten sich, aber er erwiderte kein Wort.
»Na guten Morgen, Wilms, wie geht’s Ihrer Frau?«
»Besser.«
»Und Ihrer Schwägerin?«
Wilms rührte sich nicht: »Darüber weiß ich nichts.«
»Na, denn Adieu!«
»Adieu auch, Eltze.«