»Sie geht zu ihrem Vater,« dachte Wilms trübe. »Was kümmern wir sie.«

Ernst und verschlossen ging er seitdem umher. Der Schnee fiel draußen immer dichter und legte sich wie ein weißer Wall um das Gehöft.

Dadurch wurde es wieder so still und einsam, wie je zuvor. Ein Tag nach dem andern verfloß. In der Landwirtschaft gab es jetzt nichts mehr zu wirken. Schweigend saß der Pächter oft stundenlang am Fenster, blickte über den verschneiten Hof und wartete, ob ihm nicht der Landbriefträger ein Lebenszeichen von den beiden Frauen bringen würde.

Aber nichts von alledem geschah.

Und allmählich verfiel er wieder in sein düsteres Hinbrüten; der große Mann mit den kurzgeschorenen, blonden Haaren verbrachte dann ganze Stunden im Zimmer. Er wanderte auf und ab, sah dabei auf das reinlich zugedeckte Krankenlager seines Weibes, oder nahm ihre Bibel in die Hand und starrte interesselos hinein, während er sich an die von ihr mit Vorliebe gebrauchten Gebete erinnerte.

Dann begann er einige der Verse nachzusprechen und schüttelte sich zuweilen plötzlich, als ob ihn etwas Widerliches überliefe. Oft auch nahm er ein Bild von der Spiegelkommode, das Else als Braut darstellte, um es lange und aufmerksam zu betrachten. Wie blond sich ihre Zöpfe damals ums Haupt ringelten. – Wie ähnlich sie zu jener Zeit Hedwig gewesen! Rasch stellte er bei solcher Gelegenheit die Photographie wieder an ihren Platz und lief auf den Hof hinaus, wo er mit seinen Leuten schalt und haderte.

Sie wunderten sich über den Herrn. So hatte man ihn selten gesehen.

Und noch immer langte die erwünschte Nachricht nicht an.

Da endlich, eines Morgens, – Wilms saß noch beim Kaffee – da schlich der taube Krischan in die Stube, schielte seinen Herrn an und legte schweigend einen Brief auf den Tisch.

Wilms klopfte das Herz. Mit zitternden Fingern erbrach er das Schreiben, nachdem sich der Alte entfernt hatte, aber es war nur ein gedrucktes Formular, das eine Einladung zu einer ländlichen Versammlung enthielt, die der ältere Graf Brachwitz einberief.