»I – ich sag ja auch gar nichts gegen den jungen Mann. – Is sogar ein ganz netter, liebenswürdiger Mensch. Und es is ’ne wahre Dummheit vom Alten, daß er den Jungen nicht bei’s Militär gelassen. Hier in der Wirtschaft versteht das natürlich nichts, und weiß das nichts – und verfällt auf lauter Dummheiten. – Die Förstersfrau kann ihn ja auch nicht los werden,« setzte er leiser hinzu, »aber sie soll ihm ja neulich gehörig die Tür gewiesen haben.«
Wilms konnte nicht länger zuhören.
»Herr Grothe – ich muß jetzt – ich hab noch notwendig was zu tun – Grüßen Sie den Herrn Grafen, und – ja ich werd’ woll auch kommen.«
»Na schön,« verabschiedete sich der Inspektor. »Geht’s Ihrer lieben Frau gut?«
»Ja, ich danke.«
Sie schüttelten sich die Hände, und der Abgesandte des Grafen ritt langsam vom Hof herunter.
| * | * | |
| * |
Aber der Besuch hatte seine Folge.
In der langen Zeit, in der sich Wilms in dem schneeverwehten Gehöft so einsam fühlte und mit all seinen sehnsüchtigen Gedanken an der fernen Hedwig hing, da hatte er alles vergessen, was er von ihr zu wissen glaubte, da war sie ihm als die reine, herbe unerreichbar hohe Jungfrau erschienen. Jetzt, als ihm das wilde Treiben des Junkers geschildert wurde, da erhoben die häßlichen Zweifel abermals ihr Haupt, da erwachte er wieder zur Wirklichkeit, ein kräftiges Gefühl der Verachtung gegen sich selbst regte sich in ihm, und mit aller Macht suchte er die häßliche aufkeimende Neigung abzuschütteln.
Zehnmal des Tages las er jetzt die wenigen Zeilen, die ihm Else bereits wöchentlich schreiben konnte, fuhr dann mit seiner rauhen Hand zärtlich über das Papier, und legte es schließlich in das Paket, in dem er die Briefe aus der Brautzeit bewahrte.