Sofort richtete sich das Mädchen auf und drückte flüchtig beide Hände gegen die Schläfen, als wollte sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Fragenden lenken.

»Warst du noch gar nicht in der Stadt bei deinem Vater?«

»Nein, ich bin direkt hierher gefahren.«

»Sofort hierher?« wiederholte Wilms. Eine peinliche Verstimmung stieg in ihm auf. Was konnte sie nur in dem menschenverlassenen, verschneiten Gehöft suchen? Hastig gedachte er weiter zu fragen, wie jedoch sein Blick ihre ruhigen, braunen Augen traf, verstummte er wieder und kratzte verlegen auf dem Tisch hin und her.

Eine Zeitlang blieb es still.

Aber gerade dieses ruhige Beisammensein konnte Wilms nicht ertragen. Etwas quälte und marterte ihn dabei grenzenlos.

»Hedwig,« fing er mit Überwindung plötzlich an und zum erstenmal wendete er ihr ganz sein ehrliches Gesicht zu. »Es muß mal zwischen uns zur Sprache kommen. Es liegt mir schon zu lange auf dem Herzen. – Weshalb bist du eigentlich – ich – mein Kind – ich meine, warum bist du eigentlich so gut zu uns?«

»Gut?«

»Sieh, Heting, erst hast du mir eine Summe deines Erbteils geborgt, und ich hab mir damit helfen können. Das hätt’ mir schon kein anderer getan, – nein, laß – ich muß es mal sagen, auch meine Frau hast du gepflegt, um die es nur wenige aushalten konnten. Und nu – nu kommst du wieder hierher zurück, in diese Einsamkeit, und willst uns wieder helfen und unterstützen und aufrichten, und das alles soll ich mir gefallen lassen, ohne eigentlich zu wissen, warum du das alles tust; ich kann’s mir ja gar nicht erklären, du paßt ja zu so was gar nicht, du bist ja wie eine vornehme, junge Dame, warum bestehst du also darauf?«

Das letzte rief der große Mann in einem heftigen, beinahe unglücklichen Ton.