Er begriff es nicht.

»Ja, ich sehne mich nach einer ruhigen, gleichmäßigen Beschäftigung.«

»Aber – aber willst du denn nicht heiraten?« fuhr es ihm heraus. Er schämte sich, als er es sagte.

Sie schlug die Augen nieder und zuckte die Achseln: »Schwerlich,« erwiderte sie gleichgültig. »Ich habe als Tochter eines kleinen Beamten den törichten Wunsch nach besserer Erziehung gehegt, aber –« – sie zögerte und wurde zum erstenmal unruhig – »das ist mir wohl nicht zum Heile ausgeschlagen. Und deshalb wird auch kaum jemand kommen, dem ich gefalle, und der zu mir paßt.«

»O Hedwig, doch – doch –« widersprach Wilms gedankenlos, – »du bist ja schön und klug, das wird sich schon finden.« Aber während er es sprach, mußte er plötzlich widerwillig daran denken, daß diese vollen, roten Lippen schon stürmisch und sündhaft geküßt worden seien.

Das verdarb ihm den Abend vollends.

Auch Hedwig schwieg. Sie ruhte wie erschöpft in ihrer Sofaecke. – Nur als er äußerte, daß sie schön und klug sei, traf ihn ein kurzer, erstaunter Blick. Dann schlug sie wieder müde die Augen nieder.

So saßen sie noch eine Stunde zusammen und sprachen über alles, was in der Umgegend in der Zwischenzeit geschehen sei. Eingehend erkundigte sich Hedwig nach den Wirtschaftsverhältnissen.

Er gab über alles genau Auskunft.

Dann schlug die Uhr in dem Kasten zehn, und Hedwig erhob sich.