Sie stützte den Kopf auf und schüttelte sich leicht wie im frostigen Winde.
Dort oben trieb der Zauberer nun sein Wesen, denn hexen konnte er, daran zweifelte Line nicht einen Augenblick. Der Lügenlotse, oll Kusemann, hatte ihr ja auch erst neulich in seinem Wetterhäuschen an der See erzählt, wie Schäfer Sturm vor einiger Zeit kurz vor Mitternacht auf dem Moorluker Kirchhof aufgetaucht und dort zwischen allerlei Kreuzen suchend auf- und abgeschritten sei. Vor dem Grabe eines längst verstorbenen Fischers wäre er dann stehen geblieben und hätte einen Zettel auf dessen Hügel gelegt. — Einen Zettel. — »Denk' bloß, Lineken, einen Zettel mit wunderbaren Buchstaben beschrieben.« Der Tote aber sei der alte Glückspeter gewesen, der, solange er lebte, den unheimlichen Fischzug besessen und stets sein Netz mit Hunderten von Heringen ans Tageslicht gefördert habe. — Und richtig — Line zuckte in der Erinnerung förmlich in die Höhe und starrte mit weitgeöffneten Augen vor sich hin — als die Kirchhofsuhr Mitternacht schlug, da habe sich das Grab mit einem Schlag geöffnet und —
Oben ächzte die Tür und fiel schallend wieder ins Schloß.
»Tu mir nichts,« rief Line halblaut in ihrem Traum und streckte die Hände aus.
Aber es war kein Gespenst, das da die Treppe herunterwehte, sondern Hann polterte herab und stieß mit seinem schweren Stiefel gegen ihren Rücken.
»Au — dummer Junge — nimm dich doch in acht!«
»O Lining, ich wollt ja nich — ich soll bloß — —« damit fiel der fünfzehnjährige, gedrungene Bursche bereits in den lichtblauen Raum hinein und hob vor seinem ältesten Bruder ordentlich bittend die Hände in die Höhe.
»Was willst du, Hann?«
»O Paul — Pauling — nich wieder böse sein.«