»Wohin?«
»Gradeaus.«
Das klang merkwürdig, und halb ohne Überlegung fragte ich, ob ich mit nach Moorluke fahren könne?
Der Schafpelz rückte wortlos zur Seite, und nachdem ich neben ihm Platz genommen, warf ich einen Blick hinter mich, um mich zu erkundigen, was der Alte für Ladung führe.
»Dung.«
Wieder beschlich mich ein seltsames Gefühl, aber wie ward mir erst, als jetzt beim Schein des Tütenlichtes der Mistkutscher mir sein Antlitz zukehrte. Aus tausend eingekerbten Furchen tränten zwei müde, schwarze Augen heraus, und bis unter die dürre ragende Hakennase über den zahnlosen Mund hinweg buschte sich ein verworrener, zottelweißer Bart, der sich erst unter dem Schnee, welcher den Schafpelz bedeckte, verlor. Der Mann war unbestimmbar alt. Und plötzlich überkam mich die schreckhafte Erinnerung, wie mein Freund, der Professor Asmus in Greifswald, welcher über seinem eigenen Werk »Die immanente Philosophie der Menschheit« verrückt geworden sein sollte, in einer geistreichen Spekulation nachgewiesen, daß sich zwischen Moorluke und der Stadt ein alter Mistkutscher herumtriebe, der jedoch in Wahrheit ein verschollener Gott wäre und eigentlich Chronos hieße.
»Chronos!« rief ich unwillkürlich laut heraus.
»Wat?« keuchte mein Gefährte und bewegte sein Licht.
Es war kein Zweifel, »oll Chronos«, der wiedergefundene Gott meines armen Freundes Asmus, saß neben mir. Eine Zeitlang blieb es still zwischen uns beiden. Geräuschvoll knirschte der Wagen durch den tiefen Schnee; der Alte hockte vor sich hin und hielt nur zuweilen in dürrer Hand seine Tüte in die Höhe, als ob er den Weg beleuchten wolle. Dann faßte ich mir ein Herz und fragte, ob er meine Freunde in Moorluke kenne, Hann und Line, oll Kusemann und die andern.