»Flocken,« murrte der Alte in sich hinein.
»Wie, oll Chronos?« forschte ich immer verwirrter.
»Was ist das für ein Nam'?« lachte der Mistkutscher so halb verächtlich und schlug mit der welken Hand in das Schneegewimmel, in das die leuchtende Tüte einen roten Lichtkreis warf. Und nachdem ihm ein neuer Hustenanfall beinah alle Glieder verkrümmt, keuchte er etwa folgendes hervor:
II
»Hör! Menschens! — Menschens — Wat sind Menschens? Auf die kommt es gar nicht an! Menschens sind dasselbe, was ich hier fahre. Dung. Sie blühen und sie verfaulen und werden Mist und machen wieder andere blühen! Ohne daß sie dat wissen, und ohne daß sie es wollen. In dem Dung, siehst du, liegt allein die Kraft dazu. Aberst wie sie dahinein kommt, das ist das Geheimnis. Aber eins bleibt merkwürdig. Die richtige Kraft steckt doch nur in dem Alleröbersten und in dem Alleruntersten. Der Mist treibt, und die Blüte oben, die zeugt, — was dazwischen liegt, Jünging, das wird Grummet und Spreu. Aber laß man, eins macht mich doch vor allen Dingen stolz, kuck, in diesen meinen Wagen hier kehrt doch zur Zeit alles zurück, was jetzt wer weiß wie weit verstreut liegt. Ich fahr mal die ganze Welt spazieren. Verstehst du das?«
»Hm,« murmelte ich.
»Du bist doch ein rechter Dummerjahn,« brummte der Alte. »Ihr seid überhaupt alle recht dämlich und bildet euch zuviel ein. Wozu fragst du nun nach Line und Hann, und Bruno und oll Kusemann, nach Siebenbrod und die anderen? Das kommt, weil ihr immer glaubt, jeder lebe nach seinem eigenen Kopf. Prost Mahlzeit, das haben euch bloß eure Büchermacher eingeredet, in Wahrheit verhält es sich ganz anders. Ich will es dir sagen, die Hauptsache sind die Jahren, — verstehst du das?«
»O ja,« versetzte ich bekümmert, obwohl es mir merkwürdig im Kopf summte, denn das Schneetreiben wurde so arg, daß mir die Ohren schon halb verstopft lagen und ich nur noch undeutlich vernahm, wie der Alte müde die Peitsche schwang.