Oll Chronos wies mit seiner Peitsche auf sie: »Da drin brennen sie nun die Tannenbäume vom Weihnachtsabend ab. Ja, ja — allens hat seine Zeit. Anzünden und Auslöschen.«

Inzwischen erreichten wir den Fluß. Scharf fegte hier der Wind über die vereiste Bahn, und unten am Abhang heulte etwas, was wie der Folterschrei eines bösen Geistes klang.

Der Alte lachte: »Das is ein Fuchs,« murmelte er, »graul' dir nicht — das Biest hat Hunger.«

Erst als wir die große Biegung hinter uns hatten, wagte ich von neuem an meinen Gefährten die Frage, ob Hann bei Pastor Witt nun wirklich ein Philosoph geworden wäre.

»Je.« Der Alte wiegte den Kopf und schüttelte sich ein wenig, um sich die Flocken abzustäuben: »I, was denkst du? Daraus wurd' ja nichts. Der Paster merkte ja gleich, daß mit richtige Bücher bei Hann nichts auszurichten wäre. Und darin geb' ich ihm auch Beifall. Denn sieh, als der Herr Paster das vortrug, was sie so Schöpfungsgeschichte nennen tun, da wollte Hann davon nichts wissen und kam so beiläufig damit heraus, die Schöpfungsgeschichte hätte einen Fehler. Nu nimm bloß mal an, einen Fehler, sagte der Bengel.«

»Na, und was gab der Herr Pastor hierauf zur Antwort?«

»I, der sah sich zuerst ganz düsig in der Stub' um und kuckte auf Line, die auch ganz rot vor Ärger dasaß, und fragte endlich bloß >wieso?< Na, und was glaubst du nu woll, womit der Lümmel zu Raum kam? — Es hatte sogar ordentlich einen Sinn: >Herr Paster, sagen Sie mich mal,< fing er an, >die Pferde arbeiten den ganzen Tag, und die Kühe geben Milch, und von den Schafen schert man Wolle; und dafür, daß sie das all tun, da haben die armen Kreturen keine Seele bekommen und sind doch auch etwas Lebendiges; aber der Mensch, der sie totschlägt und auffrißt, der hat eine. Herr Paster, ist das auch Güte?< Sieh, da wußt nu Paster Witt nichts drauf zu antworten, und sah bloß in sein Buch und machte den Finger naß und schlug heftig eine Seite nach der andern um, bis er endlich verdrießlich vorbrachte, daß sich über so was ein richtiger Christenmensch keine Gedanken zu machen habe.«

»Ein höllischer Jung,« warf ich dazwischen.

»Ja, Menschenkind, das meinst du woll,« sagte der Gott, »aber als sie nun in der biblischen Religion so allmählich bis zu die Geschicht' von Adam und Eva'n und den Sündenfall vorgerückt waren, sieh, da wollte Hann wieder durchaus nicht mit, indem er verstockt den Kopf schüttelte, so daß sich der kleine Paster jetzt schon ganz ungeduldig danach erkundigte, was denn nu all wieder los wäre. — Und daraufhin packte Hann seine dummen Gedanken in der Art aus, daß er sagte: >Herr Paster, nehmens nicht übel, die Geschichte mit der Rippe von Adamen, und daß daraus Eva geworden, das haben sich die Pastoren wohl bloß eingebildet, denn der Mann hat dabei nichts zu suchen, wir stammen alle von die Frauensleut ab.< Und weil der Bengel dabei nicht merkte, wie der Paster hier ganz erschrocken auf die kleine Line hinblickte, setzte er noch hinzu: >Und bei die Tiere ist das grad so! — Ich war erst neulich dabei, wie Nachbar Piepern seine weiße Kuh ein lüttes Kalb geworfen hat.<

»>Junge,< rief hier der geistliche Herr und stand heftig auf, indem er ihn derb zurechtweisen wollte, aber Hann war noch nicht fertig und fügte noch rasch bei: >Und, Herr Paster, wenn sie auch Adamen und Eva'n aus dem schönen Paradies rausgetrieben haben, wie kommt es, daß wir andern nicht wieder rein können? — Wir haben ja doch keine Äpfel gegessen? Ich mag überhaupt keine Äpfeln, ich ess' Plummen viel lieber. Und denn, Herr Paster, wegen so'n einzigen Appel. — Bei Schullehrer Tollen hängen lauter Äpfeln über den Zaun, und das sind noch dazu Rinetten; aber Herr Toll tut so, als ob er das Mausen von die Schulkinder gar nicht merke, und is doch man en Schullehrer und noch lange nich der liebe Gott.<«