III
»Die Hyazinthen blühen,« rief Line, während sie an dem dick vereisten Fenster die Gläser mit den aufbrechenden Knollen zurechtrückte: »Sehn Sie bloß, Fräulein, die letzte ist auch rot geworden. Jetzt haben wir nur rote und weiße.«
Es war Neujahrsmorgen.
In dem gemütlichen Stübchen lag heller Wintersonnenschein. Alles prangte in dem Altjungferzimmer von Sauberkeit; der braunlackierte Fußboden, die gelblackierten Korblehnstühle, der Mahagonitisch, welcher ebenfalls Lackglanz ausstrahlte, ja selbst die Fensterbretter redeten in ihrem weißen Schimmer davon, daß das alte Fräulein Dewitz die Eigentümlichkeit besaß, nach jedem Besuch den etwa entweihten Glanz ihres Schmuckkästchens durch eine allgemeine Lackierung wieder aufzufrischen.
Und nun erst die beiden Betten, die man nebenan aus dem Alkoven hervorschimmern sah. Es schien beinah unmöglich, daß sich an diesem schneeigen Weiß jemals Menschenhände vergriffen haben sollten.
Die allergrößte Sauberkeit jedoch, nein, förmlich eine Art Leuchtkraft der Reinlichkeit strahlte die Besitzerin dieser lackierten Räume selbst aus.
Da saß sie in ihrem Korblehnstuhl, in dessen gelbem Lack freundlich die Sonne widerglitzerte, trug eine blankgeputzte Brille auf dem Stumpfnäschen und las Neujahrsgratulationen, die auf ihrem Schoß unwillkürlich ein höheres Weiß angenommen hatten.
Lange murmelte sie so halblaut vor sich hin. Dann wurde sie gestört.
»Sehn Sie bloß, Fräulein,« rief Line noch einmal. »Diese schönen Farben und wie sie duften; das ganze Zimmer ist voll davon!«