»Nun, darauf freuen Sie sich wohl schon sehr?« warf die Tante dazwischen. »Es ist doch eine Ehre, dem Vaterlande zu dienen — wie?«
Aber Hann schüttelte den Kopf und sah bekümmert auf den Fußboden: »Ne, Madamming, das tu' ich nich!«
»Nicht?« riefen beide Frauen nun wie aus einem Munde.
Hann erschrak und schlug seine hellen Augen nieder. Er merkte, daß hier etwas vorginge, was ganz gegen die Ansichten des alten Fräuleins verstoßen mochte. Anstatt jedoch nun seine Gedanken klarzulegen, wie er sie so oft bei sich selbst gehegt, etwa in der Art: »Soldaten? — Ne — werden die nicht extra dazu angelernt, wie man andere Leute ihre Kinder totschießt? Und dann — wenn ich in meinem Schifferrock einen umbring', dann werd' ich geköpft — aber in solch blau und rotem Rock krieg' ich dafür noch einen Orden. Da stimmt doch etwas nicht?«
Statt all dieser guten Gedanken brachte er nur scheu hervor: »Nein, ich möcht' lieber nich unter die Soldaten.«
Das alte Fräulein erhob sich: »So?« versetzte sie kühl. »Das ist ja sonderbar — hm —« Und mit den Worten: »Ich will nun doch mal nach der Küche sehn,« ging sie mit ihren langen, ehrbaren Schritten hinaus.
Die beiden Kinder von Moorluke blieben allein. Langsam kauerte sich Line in den verlassenen Korblehnstuhl nieder, lehnte sich zurück und ließ ihre Stiefelspitzen leise gegeneinander klappen. Dann glitt wieder einer ihrer taxierenden Blicke über den ungelenken Besuch fort, und plötzlich lud sie ihn mit einer bestimmten Bewegung ein, ihr gegenüber Platz zu nehmen.
Hann wagte es nicht. Er behielt seine Mütze in der Hand und blinzelte ehrerbietig zu ihr hinüber. Nein, wie überaus fein und zierlich er alles an ihr fand. Diese kleinen Halbschuhe, aus denen die schwarzen Strümpfe hervorlugten, und dann die schwarze Atlasschürze, die so glatt über den Hüften abschloß — — und wie sie sich jetzt kaum merklich hin und her wiegte, das schwarze Köpfchen seitlich an die Lehne gedrückt, während ihre dunklen Augen ab und zu zu ihm herüberblitzten, das erfüllte den großen Burschen schließlich mit solcher Freude, daß er immer wohlgefälliger mit dem plumpen Haupte nickte und mit der freien Hand wohlig am Knie auf und nieder fuhr.
Mit einem Male beugte sich Line hastig vor, daß Hann beinah' einen Schrecken bekam, stützte die beiden Ellenbogen auf ihre Knie, wie sie es als Kind stets gepflegt, und über ihre Lippen kam es kurz und überlegen: »Sag', Hann, hast du schon eine Braut?«