Hann hielt den Atem an und starrte ihr grenzenlos verdutzt, ja bekümmert in das feine Antlitz. O je, wie sollte er wohl zu einer Braut kommen? Wußte sie denn gar nicht, daß er nicht auf so was ausging, ja, daß er alle Frauen ängstlich vermied, weil — ja weil — —
Er schüttelte mit einem wehen Zug um den groben Mund den Kopf und scheuerte wieder an seinem Knie auf und nieder.
»Lining — oh —«
»Na, was wär' denn dabei?«
Ihr schien die große Verlegenheit des armen Menschen Freude zu bereiten. Und dann — immer mit dem angelehnten schmalen Gesichtchen plauderte sie weiter, leise, flüsternd, damit es das gute Fräulein Dewitz in der Küche nebenan nicht vernehmen könnte. Oh, es war doch ein so lang entbehrter Genuß, endlich wieder einmal unbeobachtet, jung und frisch und ungeniert necken und schwatzen zu dürfen.
»Hann, da sind doch aber die beiden Töchter von Schullehrer Toll. Und die älteste, die hübsche, von der sie sagen, daß sie Krankenschwester werden will, die hat neulich hier erzählt, wie du mit ihr getanzt hast.«
Hann rückte hin und her.
»Lining — das wohl — ich konnt' mir auch nich anders helfen.«
»Aber die wär' doch was für dich,« fuhr sie fort. »Denk mal, wenn die nun bloß deinetwegen Krankenschwester werden wollte?« Und plötzlich faßte sie seine beiden Hände und brach in ein langes, fröhliches Lachen aus. Die Idee, Hann als Bräutigam der hübschen Schulmeisterstochter zu sehen, schien sie mit ungemeinem Behagen zu erfüllen. Merkte sie nicht, wie der arme Bursche immer blöder den Boden suchte, fühlte sie gar nicht, wie ihre Worte sich ihm immer enger und drückender ums Herz legten?
Endlich erhob er sich; er überwand sich und sagte mit gepreßter Stimme: »Lining, das alte Fräulein kommt wohl nicht wieder. Da wird es Zeit, daß ich geh'.«