Und wieder wagte er nicht, sie anzublicken, sondern stand und knöpfte langsam sein blaues Schifferwams zu.

Line erhob sich. Mit leichten Schritten ging sie um ihn herum, immer ihn messend, als wäre des Spaßes noch nicht genug. Plötzlich huschte sie dicht an seine Seite, hob ihm kräftig das Kinn auf und zwang ihn so, sie anzublicken. Seine blauen Augen sprachen förmlich von zurückgedrängtem Kummer.

»Sag' mal Hann,« begann sie, »wenn es Klara Toll nicht ist, dann möchtest du wohl lieber mich? Wie? — Weißt du noch, wie wir uns verlobt haben, und wie oll Kusemann uns eine Molle voll Goldstücke aus der untergegangenen Stadt zur Hochzeit schenken wollte?«

Ihre Hand strich an seiner Backe hin und her, etwa wie man einen großen, treuen Hund streichelt, aber als sie seinem ehrlichen, betrübten Blick begegnete, hielt sie inne.

»Na, laß gut sein, Hann,« brach sie schonend ab.

»Ja, Lining,« brachte er mit Anstrengung hervor, »wir waren eben noch Kinder und sehr dumm.«

»Ja, ja, Hann,« sagte sie stiller, und nach einer Weile setzte sie hinzu: »Aber die Molle voll Goldstücke, die wünsch' ich dir. Wenn du so die untergegangene Stadt finden könntest, dann —«

Ihre Augen vergrößerten sich, sie zeigte ihre spitzen Zähnchen. Dabei sah sie aus, als ob sie den Besitzer der untergegangenen Stadt mit ihren unermeßlichen Schätzen wohl liebhaben könnte. Doch Hann zerstörte den Traum.

»Kuck, Lining,« murmelte er achselzuckend, »das mit der Stadt, das is auch man so, wie alles andere. Sieh, als ich noch ganz klein war, und als du noch bei uns draußen wohntest, ja, da sah ich sie manchmal ganz deutlich unter dem Wasser. Zuweilen auch bei Nacht. Da zeigte mir oll Kusemann ordentlich erleuchtete Fenster und so was. Aber dann später, je älter man wird, desto weniger sieht man sie. Ich glaub', das is auch man so 'ne Kinderstadt —«