»Oh, ich kann ja auch gehen,« stimmte der Pennäler sehr vergnügt zu und begann seine Hefte zusammenzuraffen. Jedoch eine solche Versäumnis widersprach Pauls Pflichtgefühl. Mit ernster Miene bedeutete er seinen Bruder, daß der Schüler unmittelbar vor der Versetzung stehe und daß das tägliche Pensum nicht unterbrochen werden dürfte. Bruno möchte eine kurze Weile entschuldigen. Dann beugten sich Lehrer und Knabe gemeinsam über den Ostermann, und lächelnd vernahm der junge Kaufmann ihr erregtes Murmeln; längst entwöhnte lateinische Brocken schlugen an sein Ohr, und erst als die Thronstreitigkeiten der Semiramis gänzlich entschieden waren und der Kuckuck »sieben« schrie, da durfte Walter Müller nach Hause eilen.
Er verbeugte sich feierlich vor Pauls Bruder, bevor er sich rückwärts aus der Tür zurückzog.
»Gottlob!« atmete Bruno auf, der sich inzwischen seines Pelzes entledigt hatte und sich nun leicht in eine Ecke des Sofas warf. »Gottlob, daß wir diese Pennälerjahre hinter uns haben.«
»Du bist also jetzt zufriedener?« forschte der Theologe, der sich dem Heimgekehrten gegenüber auf einem Stuhl niedergelassen und jetzt die Lampe beiseite schob, um den Anblick des lange Entbehrten voll zu genießen.
»Zufriedener? Gewiß. Was waren das aber auch für magere Jahre, Paul. Denk' bloß mal nach — wenn wir einen Braten zu Hause rochen, das war ja schon ein Festtag.«
»Hm — daran erinnere ich mich kaum.«
»Ja du — und dann bei dem alten Hollander das Gedrücktsein, diese schreckliche Abhängigkeit, nein, gottlob, etwas weiter haben wir es doch gebracht.« —
Dabei streichelte er beinahe liebkosend das Fell des Pelzes, der neben ihm auf der Sofalehne ruhte. Dann strich er sich das Haar zurück und fuhr lebhaft fort: »Paß mal auf — jetzt kommen wir auch einmal an die Reihe.«
»Wieso? Was heißt das, Bruno?«
»Menschenskind, mach' doch nicht solch erstauntes Gesicht — rauchst du?«