Da saß er wieder — ja, es war derselbe, der mit dem fieberhaft erregten Kinde auf der Ruinenmauer gehockt und ihm all seine tollen Worte ins Ohr geflüstert, die wie klirrende Goldstücke geklungen.
Und der Ältere blickte auf ihn hin, schweigend, erschrocken, seine Augen vergrößerten sich immer mehr, und er wußte selbst nicht, warum ihm das Herz so drohend und schmerzlich gegen die Brust zu hämmern begann.
VI
»Zum Tee geladen, und dann vier Gänge — warm —. Und zum Schluß Eis,« flüsterte Fräulein Dewitz Line anerkennend zu, als sie sich endlich vom Tisch des Konsuls erhoben, um sich in das Musikzimmer zu begeben. »Und hast du auf die Selleriestauden geachtet? — Dein Bruder Paul fragte mich, wozu man diese brauche? — Mein Gott — aber dein Bruder Bruno — wirklich, er hat recht ansprechende Manieren, es tut ordentlich wohl, wie gut er zu essen versteht. — Ja, ja, daran erkennt man gleich die Lebensart. Und nun gib dem Konsul die Hand, Lining — und sei nicht so still; das bist du doch sonst nicht.«
* * *
Man hatte während des Mahls über den Text des Yankee doodle gestritten, von dem Bruno in drolliger Weise berichtet hatte, daß ihn die jungen Damen der ersten Hamburger Kreise seit kurzem auf eine merkwürdige Art zu tanzen pflegten. Der Konsul, der am unteren Ende der Tafel gesessen, neben Fräulein Dewitz, der er stets in überaus höflicher Weise die Honneurs erwies, war über diese neue Torheit der Zeit entrüstet gewesen.
»Werden wohl demnächst Negertänze aufführen — —« hatte er der Handarbeitslehrerin brummig zugeflüstert. Und das alte Fräulein mußte erwidern: »Ja, ja, zu unserer Zeit wurde Menuett getanzt, und höchstens mal ein Schottischer — ach Gott, und es war doch auch schön.«
»Recht — ich besinne mich noch,« pflichtete Hollander bei. »Sie hatten damals einen lütten, zierlichen Fuß.«