»Na, weshalb weinen Sie denn, Sie kleine Balletteuse?«
»Ich weine nicht.«
Unmutig schleuderte sie den hellen Tropfen, der ihr noch an den Wimpern hing, fort. Dann eilte sie an das Instrument und nahm hastig das Paar Kastagnetten von der Wand, lehnte sich in die Beugung des Flügels, und ihre Augen suchten Bruno, als harre sie nur auf ein Zeichen von ihm, um den schnellen, schlangenhaften Tanz, den sie vor etwa Jahresfrist gelernt, zu beginnen.
Sie sah keinen anderen mehr in dem Kreis, nur vor ihm, der so oft ihre Gedanken beschäftigt, wollte sie aus gekränkter Eitelkeit ihre Künste zeigen.
»Sieh — sieh,« schmunzelte der Steuerrat, der voller Erstaunen in das Zimmer getreten war, »das wird ja hübsch.«
»Line,« rief Fräulein Dewitz nun strafend, die an den Ernst der Situation nicht glauben wollte, während sie sich langsam aus ihrem Fauteuil erhob. Inzwischen war auch Paul aus seiner Verborgenheit besorgt zu der Pflegeschwester getreten. Deutlich hatte er die merkwürdigen Blicke des Steuerrats und des Konsuls gesehen, sowie das verwunderte, ein wenig überlegene Lächeln Dinas, und wie von ferne hatte er das Gefühl, als ob diese reichen Leute aus seiner Familie eine Schar Gaukler zu machen gedächten.
»Line,« sagte er herb, »der Herr Konsul treibt nur Scherz mit dir.«
»Es ist überhaupt Zeit, daß wir jetzt gehen,« fügte die Handarbeitslehrerin bestimmt hinzu und stopfte ihr Taschentuch in das Gesellschaftstäschchen.
»Schau? Schau?« bedauerte der Konsul und klopfte Bruno auf den Rücken. »Hätte Sie gern noch länger bei uns gesehen. Na, aber ein andermal, lieber Klüth —. Nicht wahr, ein andermal?«