Da stand Hann mit rotem Kopf mitten in der Küche und sah voller Angst und Scham auf das Mädchen, das sein Antlitz dem Feuer zugewendet hielt, und um dessen rote Lippen soviel bezwungene Verlegenheit spielte.
Was war das? — Ein leichtes Zittern lief über den starken Nacken des Burschen.
»Oh — oll Kusemann,« bat er.
Und wieder streckte er die Hand nach dem Kessel aus, während Klara Toll sich bereitwillig zur Empfangnahme erhob.
»Aber ne,« wehrte oll Kusemann ganz energisch ab, wobei er Hann den Kessel mit Gewalt abnahm — »her damit — erst müssen die jungen Damens ein Glas Grog mit uns trinken. Erstens aus reiner Menschlichkeit, wegen der Kälte, und dann — hört, Kinnings —« er kredenzte jedem der Mädchen ein Glas —»weil dies ein Abschiedstrunk für Hann is. Der wird nämlich übermorgen zu den Karolinen verschickt, wo man so leicht totgeschossen wird, oder zu die Mohren, na, ihr wißt schon, wo die Weibers so schnurrig umlaufen.«
Bei dem Worte »Abschied« bemerkte Hann, wie Klara zusammenfuhr. Sie wandte den Kopf nach ihm. Ihre braunen Augen suchten offen die seinen. Und feucht und immer feuchter begannen sie zu schimmern, bis eine helle Träne hervorperlte. Die glänzte wie ein Leuchtkäferchen in dem Feuerschein. Ohne Scham ließ sie sie zur Erde fallen und griff dann lächelnd nach dem Grogglase.
»Worüber weinst du denn, mein süßes Kinding?« fragte oll Kusemann lauernd. »Er geht ja erst zum April.«
Da überzog wieder ein froher Schimmer das blühende Gesicht, sie trank und lächelte vor sich hin und meinte dann leichthin: »Was geht das mich auch an? — Zum April werde ich Krankenschwester.«
So plauderten und lachten die vier Menschen in der räucherigen Küche noch eine kleine Weile und tranken dazu. Der Lotse rückte enger an die kleine Rosa heran, legte den Arm um sie und sang:
»Gib ein Küßchen, rotes Röschen —
setz dich zu mir auf mein Schößchen.«