VIII

Es war früh am Sonntag morgen, als Bruno mit der Bitte zu Fräulein Dewitz ins Zimmer trat, ob Line ihn nicht zu einem Besuch bei den Eltern in Moorluke begleiten dürfe. Sein Bruder Paul, an den er ebenfalls gedacht, wäre in der Kirche.

»Ja, ja,« schob Fräulein Dewitz beifällig dazwischen, »den Gottesdienst versäumt Ihr Herr Bruder nie.«

Und unten vor dem Hause, berichtete der junge Kaufmann weiter, warte bereits des Konsuls Schlitten, den ihm sein Chef, damit sich die Pferde einmal auslaufen könnten, zur Verfügung gestellt.

Im selben Augenblick hörte man wie zur Bekräftigung lautes Schellengeläute.

Line stand wie erstarrt.

Die Hände preßte sie gegen ihre Brust, wie wenn sie sich selbst zurückhalten, bezähmen wolle, damit sie dem hübschen, frischen Menschen nicht um den Hals falle.

In einem Schlitten — aus der Stadt heraus — entzogen der ewigen Obhut der Lehrerin, sich austummeln können, und zwar mit ihm, den sie so gern hatte!

Oh, vergessen, wie weggeweht war die Vernachlässigung, die er ihr so lange hatte angedeihen lassen — und wenn es auch nur ein Tag war — ein einziger — nur einmal fort aus dieser Unterordnung und Verstellung.