Strahlender Sonnenschein, blauer, heller Frost war dem Unwetter von gestern gefolgt.

Die beiden Rappen wieherten laut in die leuchtende Weiße hinein, pfeilschnell, schnurgerade schoß der Schlitten über die funkelnde Bahn der Chaussee, die auf einem Umweg über das Klosterdorf führte.

Da fiel es Bruno, über dem gleichfalls die ganze Glückseligkeit dieses Wintertages lag, auf, daß seine Begleiterin so mäuschenstill neben ihm verharre.

Verwundert blickte er auf sie hin.

Das war doch seltsam. Da saß sie, als wenn sie ihn, den Kutscher, den Schlitten, die beiden schnaubenden Rosse, alles Leben überhaupt ganz vergessen hätte. Den Kopf hielt sie vorgebeugt, die Lippen waren leicht geöffnet, als schlürfe sie die pfeifende Luft wonnetrunken ein, die Augen blitzten immer geradeaus auf die glitzernde Strecke, starr, erwartungsvoll, ein unerhörtes Wunder heischend.

Bruno wurde von dem Bild gefangen. Was konnte das bedeuten?

Er wußte nicht, daß diese sieben Jahre der Knechtschaft plötzlich von ihr abfielen, daß hier auf den stillen, freien Feldern ein freigewordenes, sich auf sich selbst besinnendes Weib neben ihm sitze.

»Line,« murmelte er erstaunt, da ihr Schweigen ihn immer mehr befremdete.

Da lächelte sie beinah unwillig und schüttelte den Kopf, wie wenn der Traum noch weiter klingen solle.