Aus seiner bretternen Wachthütte, die eigentlich eine Badezelle gewesen, streckte oll Kusemann seinen geölten und frisierten Kopf heraus und legte noch den Finger an die Lippen, um auch pantomimisch anzudeuten, daß er einer Beschäftigung obliege, bei der er keine Störung vertragen könne.

»Oll Kusemann, was machst du hier am Sonntag? Und noch dazu, wo der Bodden zugefroren is und gar kein Schiff in Sicht kommen kann?« fragte Hann nähertretend und steckte seinen Kopf in den engen Spalt der Tür, die oll Kusemann ihm eben brummig vor der Nase zuschlagen wollte. »Und wozu hast du die beiden Flintens da in der Ecke?«

»I, die beöl' ich mir 'n bischen,« brummte der Lotse ausweichend und beäugelte mit seinem schiefen Blick die beiden Städter. »Für die Dinger is Öl dasselbe, was für uns Lebendige Rotspohn is.«

»Oll Kusemann,« fuhr Hann strafend fort, »auf Ludwigsburg drüben ist Jagd, und du lauerst hier bloß darauf, daß sich über das Eis fort wieder was zu dir verlaufen soll. Hast du nicht vorigen Monat erst deswegen vor Gericht gestanden?«

»Ja, aber ich bin freigesprochen,« triumphierte oll Kusemann, indem er sich schmunzelnd seinen spitzen Kinnbart strich, »und der Präsident hat mir noch eine Zigarre dafür geschenkt, weil ich so'n oller nützlicher Mitbürger wär', der die fatalen Seehunde hier wegputzt.«

Aber ehe sich noch ein anderer in das Gespräch mischen konnte, winkte der Lotse plötzlich lebhaft mit Händen und Beinen ab, sprang in die Ecke, ergriff eine der Flinten, pflanzte sich in die Türöffnung und starrte aufgeregt über das Eis des Boddens.

Über die graue Fläche fuhr im rasenden Lauf ein schwarzer Punkt.

»Das ist doch kein Seehund?« rief Hann zornig und wollte nach dem Lauf der Büchse greifen, aber der Lotse schüttelte verächtlich den Kopf: »Was sonst? — Das is einer, wie er leibt und lebt!«

Nun kam die Jagdlust über die kleine Schar. Immer gespannter verfolgten sie den sich nähernden Farbenfleck.

»Jetzt,« murmelte der Lotse und hob das Gewehr.