»Sieh,« sagte Line zu Bruno, da sie auf die öden, knackenden Wiesen traten, die sich bis an die zugefrorene See hinabgezogen. »Da drüben.«
Da glühte im roten Licht die Klosterruine, die für die beiden jungen Menschen so viele Erinnerungen barg, herüber, von ihren Schneemassen rann purpurnes Feuer herab, wie ein ungeheurer, weißer Korallenwald standen die kahlen Eichengerippe um das Mauerwerk herum.
»Da,« sprach Line noch einmal und sah ihren Gefährten von damals mit einem flüchtigen Blicke an.
Bruno stutzte.
Plötzlich begann ihm das Herz wild zu klopfen, die Erinnerung stieg in ihm auf. Jetzt, ja jetzt hätte er die lockende Gestalt in dem grauen Pelzjackett wild an sein Herz gerissen, wenn — ja, wenn nicht dieser störende Tölpel neben ihnen gestanden, der sie beide immer so nachdenklich betrachtete.
Aus der eben verlassenen Dorfstraße trug dazu der Wind eine neue Liedstrophe herüber. Die beiden Lehrerstöchter fuhren wohl in ihrem stillen Sonntagsvergnügen fort:
»Kaum gedacht,
Ward der Lust ein End' gemacht.
Gestern noch auf stolzen Rossen,
Heute durch die Brust geschossen,
Morgen in das kühle Grab!«
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»Pst! Für'n Sechser Ruhe!« rief eine heisere Stimme ärgerlich dazwischen.