»Liegt — liegt,« schrien plötzlich Hann und oll Kusemann gleich zwei Besessenen, und im Wettlauf stürmten sie auf die beschneite Fläche, weil jeder den toten »Seehund« für seine Partei zu requirieren gedachte.
In der Hütte blieben die beiden Sieger allein. Bruno faßte sich an die hämmernde Schläfe. Ob er sich jetzt seinen Schützenlohn holte? Sachte, indem er glaubte, Line bemerke es nicht, zog er die Tür hinter sich zu, so daß das Rotlicht der scheidenden Wintersonne nur noch durch das kleine Guckfenster fallen konnte. Dann zögerte er wieder — einen Schritt kaum von ihm getrennt, stellte das Mädchen ihr Gewehr in die Ecke. Deutlich sah er die schöne Rundung ihrer Glieder, als sie sich bückte. Da kam seine kecke Wagelaune über ihn. Tausend Nerven prickelten ihm in den Armen, kaum wußte er noch, was er tat; tief aufatmend drängte er sich an ihre Seite.
Doch dieser Atemzug verriet ihn. Kräftig raffte sie sich auf und sah ihn groß an. »Weshalb hast du die Tür geschlossen?« fragte sie rauh.
Er schüttelte den Kopf und blieb wirr und unentschlossen vor ihr stehen.
Mit dem Fuß stieß sie die Tür auf.
»Ich hab's nicht gern im Dunkeln,« sagte sie mit einem feindseligen Blick, und wieder schoß ihr der Gedanke an Dina widerwärtig durch den Kopf; dann lachte sie kurz und trocken auf: »Da bringen sie den Seehund.«
Sehr demütig und kleinlaut schlich oll Kusemann heran, obwohl er seinem ungelenken Gefährten bei der Ergreifung des Seeungeheuers zuvorgekommen war. Aus seinem Wams guckte ein langohriges Köpfchen heraus.
»Verfluchtet Pech,« wimmerte er, »'s richtig wieder ein Hase. Da kann man nun die besten Absichten haben, die allerreellsten, aber gegen Mallöhr is nich aufzukommen. Na adjüssing.«
So schlich er mit dem unwillkommenen Braten betrübt seinem Häuschen zu, ehrwürdig, als »oller nützlicher Mitbürger.«