»Gut, na, nu kommen Sie mal her,« tönt jetzt eine bierfette, gemütliche Stimme, und ein beleibter Mann mit rotem Gesicht, dicken, wulstigen Lippen und weißen, pudligen Haaren erhebt sich und steht nun auf etwas zu kurz geratenen Beinen und mit offenem Uniformrock da, während er mit seinem schwarzen Auskultationsrohr winkt.

»Das muß woll so eine Art Doktor sein,« denkt sich Hann Klüth, während sein Nebenmann untersucht wird. Der ist jedoch ein großer, kräftiger Kerl, daher dauert das Beklopfen und Behorchen nur kurze Zeit. Der Oberstabsarzt, der von dem Bücken noch röter geworden, streicht Kagelmacher wohlwollend über die nackte Brust und blinzelt ihn schlau an: »Na, klagen Sie vielleicht über was?«

Jetzt wird der Bursche blutrot: »Herzklopfen,« bringt er zögernd hervor.

Kaum ist das Wort gefallen, da schickt der Untersuchende einen merkwürdig schlauen Blick zu dem stattlichen Oberst mit dem Habichtskopf hinüber, der in der Mitte der Tafel sitzt, und in demselben Moment erhebt sich dieser, schiebt seinen Stuhl wie empört zurück und wandert, leise Verwünschungen ausstoßend und säbelrasselnd, im Zimmer auf und ab, während er im vollen Zorn mehrmals auf ein Blatt Papier schlägt, das er in der Hand hält.

Mit einem Male bleibt er »baff« vor einem eleganten, jungen Herrn stehen, der, ein Monokle im Auge, die Begebenheit, weit über den Tisch gebeugt, verfolgt.

»Na, was sagen Sie zu der Bescherung, Herr Landrat?«

Der Angeredete erhebt sich und flüstert dem Oberst etwas zu. Darauf zuckt der die Achseln, nickt aber, und beide lassen sich wieder auf ihre Plätze nieder.

Unterdessen hat der Oberstabsarzt, immer mit seinem schlauen Lächeln, bei Kachelmacher tatsächlich starkes Herzklopfen konstatiert. »Na, da wird wohl nicht viel zu machen sein — treten Sie mal vorläufig zurück, Mann.«

Der Nächste.

Er ist gleichfalls aus Hermsmühl und klagt über dieselbe Beschwerde.