Bruno sprang auf, stellte sich ans Fenster, sah auf die Vorübergehenden und versuchte, eine Coupletmelodie vor sich hinzuträllern, allein das Bild, das ihm vor die Seele getreten war, dieses schwarzbraune Hexenbild, das ihn mit dunklen, spöttischen Augen und kirschroten Lippen maß, es ließ sich nicht so leicht wieder verscheuchen.
Sein Herz begann heftig zu hämmern, gerade so wild, wie stets, wenn er ihr gegenübertrat. Gerechter Gott, was wollte er denn von ihr? Er zuckte zusammen, wenn er daran dachte, es war ja wie Wahnsinn über ihn gekommen, ein einziger, schlimmer Wunsch beherrschte ihn, trieb ihn vor sich her und machte ihn elend.
»Solche Schlechtigkeit — solche Schlechtigkeit,« murmelte er vor sich hin und griff sich an die Schläfen. Oh, es war ja so namenloses Glück, daß ihm dieses Ding wie eine Schlange unter den Händen entwischte, daß sie klug war, und daß er niemals sein böses Ziel erreichen würde. Denn schlimm war es, er war ja trotz allem so fest, so felsenfest entschlossen, seine Zukunft nicht zu verspielen, vielmehr groß zu werden und immer größer, ein Industrieller, wie ihn diese nordische Provinz nur einmal in den glorreichen Gründerjahren gesehen. Und wenn erst einmal der goldne Boden da war, wer weiß, was ihm dann für blütenschwere Zauberbäume entsprießen könnten, vielleicht auch das Weib, jene schlanke, lockende Katze, deren Schnurren ihm die Gedanken erhitzte, deren bloßer Name ihn wie ein aufreizender Schlag durchfuhr, und für deren schwarze begehrliche Augen er all die heimlichen Aufwendungen gemacht, die seine Existenz jetzt schon ins Schwanken brachten.
Nein, nein, er mußte sich diese aufreibende Leidenschaft aus dem Kopf schlagen, die zu nichts führte, die nur namenloses Unglück heraufbeschwören konnte, und mit der plötzlichen Energie phantastischer Naturen setzte er sich rasch in dem Armstuhl vor seinen Schreibtisch zurecht und war fest entschlossen, die engen Treppen und die lackierte gute Stube von Fräulein Dewitz vor Monaten nicht wiederzusehen.
Wie kam er wohl am schnellsten aus den Verpflichtungen heraus, die er bereits bei einigen Juwelieren der Stadt eingegangen war, um Lines Freude an goldglänzendem Tand zu frönen?
Welch kindlich-gieriges Lächeln dabei über ihr Gesicht ging, wenn sie dergleichen erhielt!
Da schmeichelten seine Gedanken schon wieder um sie herum.
In heller Verzweiflung entfaltete er ein großes Handelsblatt und begann mit Hast die Kurse zu überfliegen. Spekulationen?
Er stutzte.
Wie mancher war nicht in wenigen Tagen an der Hamburger Börse ein steinreicher Mann geworden, manchmal skrupellose Burschen, die am Tage vorher noch keinen Heller besessen.