XIV

Es war dieselbe Gedankenreihe, an der Bruno an diesem Pfingstmorgen herumrechnete, nur erregter, mit glühenden Wangen und kühneren Plänen, während er in einem der heute leeren Bureaus des Konsuls saß, um die eingegangenen Briefe zu revidieren.

Solch ein weites, verlassenes Zimmer hat für den Einsamen stets etwas Fremdes, Ablenkendes, und bei dem jungen Prokuristen bedurfte es nicht einmal solch starken Anlasses, um seine Phantasie zu verlocken.

Da hatte er eben den Bericht eines amerikanischen Agenten des Hauses gelesen, eines Mannes, der nicht viel älter war, als er selber, der ebenfalls aus Hollanders Geschäft hervorgegangen, später in Neuyork reich geheiratet und jetzt auf seine Weise dort drüben selbständig arbeitete. Aber welch enorme Summen dieser Amerikaner nun für sich selbst berechnen konnte. Dem Prokuristen wirbelten die Zahlen wirr durch den Kopf, mit glänzenden Augen starrte er ins Weite, um plötzlich laut aufzuseufzen.

Er erschrak, als er das Echo in dem verlassenen Raume hörte, aber seine Gedanken drangen vorwärts.

Und er?

Der Konsul hatte ihm, trotz seiner Rangerhöhung nicht viel zugelegt, und mit der Summe, über die er verfügte — nein, nein, er mußte sich die Wahrheit, vor der er immer floh, in dieser einsamen Stunde eingestehen, — er kam nicht aus, seine Ausgaben überschritten bereits seine Einkünfte. Das Bild des Lebens, das ihm vorschwebte, stimmte sicher nicht mit der Wirklichkeit überein. Wenn der Konsul das geahnt hätte!

Oder wenn er den Grund je erfahren würde, diesen wahnsinnigen, tollen Grund, der seinen Vertrauensmann zu knabenhaften Streichen hinriß. Aber waren es denn nur Streiche, solche, die man verübt und wieder vergißt?