»Klüthchen,« sagte der Konsul, der plötzlich mit seinem Champagnerkelche hinter ihm stand, »sind doch ein fleißiger Kerl, alle Achtung, — aber hier — nun nehmen Sie mal —« und damit reichte er ihm das volle Glas — »sind doch ein Liebhaber von so was —Röderer carte blanche — sagt Ihnen zu? was? So, nu passen Sie aber auf, ich frage Sie hier ausdrücklich vor unserm Herrn Steuerrat: Was halten Sie von Harder u. Co. in Hamburg?«
Bruno sah zu Boden und suchte seine Gedanken zu sammeln, aber er vermochte durchaus nicht zu begreifen, worauf der hinterhältige alte Mann lossteuerte. Er stammelte also nur etwas davon, daß dieses Haus gewiß eine der ersten Reederfirmen Deutschlands wäre und im Moment des Konsuls gefährlichster Konkurrent.
»Siehst du, Julius,« wandte sich Hollander sehr befriedigt zu seinem Jugendfreund zurück, während er seinem Prokuristen wohlwollend auf die Achsel klopfte, »Klüth und ich, wir sind immer derselben Ansicht.« Und plötzlich stürzte er ein Glas Champagner hinunter, puffte seinen Untergebenen kordial in die Seite und flüsterte ihm augenzwinkernd zu: »Halten's noch geheim, Klüth. Seit acht Tagen befindet sich der junge Harder bereits in unsrer Stadt, im deutschen Haus, verstehen Sie, und gestern abend hat sich meine Tochter Dina mit ihm verlobt. Na, was sagen Sie, Herzenskinding? Gut geschoben, wie?«
Und laut rief er zu dem Steuerrat hinein: »Nu kuck bloß unsern Klüth an. Is er nich ganz blaß geworden über diese Fusion? — Ja, ja, is ein großer Bewunderer von mir. Nu trinken Sie aber, Klüthchen, nu trinken Sie auch!«
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Wie und wann er die Bureaus verlassen, dessen entsann er sich nicht mehr. Erst, als ihm laute Militärmusik entgegenschallte, entdeckte er zu seiner Verwunderung, daß er in seinem Hingrübeln auf den großen Markt gelangt wäre, wo um die Mittagsstunde die Bataillonskapelle konzertierte. Und um ihn herum — auf allen vier Seiten des Platzes, flanierten Scharen hellgekleideter, junger Mädchen, gefolgt von langen Zügen buntmütziger Korpsstudenten, Offizieren, junger Kaufleute; kurz, diese eine, flüchtige Sonntagsstunde war es, wo die ehrbare, alte Schwedenstadt eine leichtsinnige Laune zeigte. Aber dem hübschen, jungen Menschen, den mancher Mädchenblick streifte, schien der fröhliche Trompetenschall, schien all das bunte Fluten weh zu tun.
Immer wieder stach es ihm durch den Sinn, der noch nicht ganz freigeworden von dörflichem Aberglauben, daß irgend eine feindliche Macht ihn augenscheinlich am Emporstreben hindern wolle, daß er zu dem goldnen Glück nicht bestimmt wäre.
Was konnte das aber sein? Das durfte ja nicht wahr werden.
Dicht neben sich vernahm er unwillkürlich ein sonderbares Raunen und Wispern.