Als er aufmerksam wurde, bemerkte er, wie eine Gruppe junger Rotmützen wie bezaubert auf zwei vorübergehende Damen sahen, in denen Bruno sofort Fräulein Dewitz und Line erkannte.
Einen vorüberhuschenden Moment fühlte er, wie Lines Augen aufblitzten, dann hatte er sich, einer starken Eingebung folgend, zum nächsten Schaufenster abgewandt, und schattenhaft, nur in den blanken Scheiben abgespiegelt, wandelte nun ihre Gestalt im Bilde vorüber, auch da noch allerliebst in dem einfachen, roten Kattunkleid, das sie wieder ganz fremdartig unter all diesen Bürgermädchen erscheinen ließ.
Bruno blickte ihnen nach.
Da wandte sie nochmals den Kopf nach ihm. Sie schien ihn zu verspotten und die Achsel zu zucken.
War das sein Schicksal?
Lauter und lauter schmetterte die Musik ihren Walzer, und jetzt erst entdeckte Bruno, daß er gerade vor den Auslagen desjenigen Juweliers halt gemacht hatte, dem er schon so sehr verpflichtet war. Er wollte rasch weiter eilen, da sprach ihn der Besitzer, der dem Konzert von der offenen Ladentür aus folgte, höflich an und forderte ihn auf, näher zu treten.
»Ja — aber — —«
Er solle ja auch nichts kaufen, aber es wären da ein paar russische Muster fertig geworden, und da Herr Klüth sich ja so sehr für dergleichen interessiere — —
Den jungen Kaufmann beschlich die häßliche Empfindung, der Ladenbesitzer sei vielleicht bereits mißtrauisch geworden, und in dem Wahn aller schwankenden Existenzen, sein Ansehen zu erhalten, trat er mit möglichst gleichgültiger, sicherer Miene in den Laden.
Noch während ihm in seiner halben Betäubung allerlei goldene Schmucksachen durch die Hände glitten, beherrschte ihn der Entschluß, daß ihm all die funkelnden Spielereien nicht gefallen dürften, ja, daß jeder fernere Einkauf bereits einen halben Betrug bedeute.